Schräg

Plattfuss am Auto. Pumpen klappt nicht, Radwechsel an befahrener Strasse zu gefährlich. Also solls der Garagist lösen. Dieser kehrt mit der Diagnose ‚Querlenker gebrochen‘ in die Werkstatt zurück, derweil will ich ihm den Schlüssel unter der Sonnenblende deponieren, auf dass er das Auto abschleppen möge. Mache die Autotür zu, zack, sie verriegelt sich: Schlüssel eingesperrt. Saublöd, das sollte doch nicht möglich sein, der Ersatzschlüssel ist in weiter Ferne. Zum Abschlepp- kommt ein Aufbruchauftrag. Und so erlebe ich, wie man mit einem Draht ein Auto aufbricht. Man presst das Fenster mit einem Luftkissen wenig auf, schiebt einen gebogenen Draht durch und betätigt mit ihm die Klinke. Das braucht Geschick und etwas Geduld. Ein Profi-Dieb könnte es wahrscheinlich schneller.

Was mir vor allem klar wird: ein schräg gekipptes Fenster zu Hause verschleudert nicht nur Energie, es ist bei gleicher Technik mit einem Draht schneller geöffnet als eine Autotür. Schräg ist gut für schräge Vögel.

Recycling

Wird heute ein Haus professionell abgebrochen, geht das geordnet. Keine Abrissbirne, kein Kurz- und Kleinschlagen. Es wird Stück für Stück zurückgebaut, Dachziegel zu Dachziegel, Fenster zu Fenster, Isolation zu Isolation usw. Gefährliche Schadstoffe wie Asbest werden aussortiert und richtig behandelt. Und am Schluss wird das Abbruchmaterial nicht einfach nur deponiert, sondern aufbereitet und wiederverwertet, etwa als Beton oder als Strassenkies von hoher Qualität.

Möglich machen dies moderne Anlagen wie jene von RCO Recycling Center Ostschweiz AG in Niederstetten mit geschlossenem Wasserkreislauf, Sortieranlagen und einem umfassenden Prüf- und Probesystem. Dank Bahntransport sollen auch die Materialströme modern organisiert werden.

Wenn man sich vorstellt, was heute steht und dereinst zu Abfall werden wird. Wir haben zur umwelttechnischen noch eine gesellschaftliche Herausforderung.

Nützliches wiederverwerten macht Sinn und braucht den Willen dazu. Recycling von Material und Ideen ist zuerst eine Kopfsache.

Choreografie

Nehmen wir an, Sie sind unzufrieden, beispielsweise mit der Gemeinde. Zu welchem Vorgehen raten Ihnen Berater und Anwälte?

Eine beliebte Choreografie des ‚Theaters‘ enthält folgende Elemente:

Man diskreditiert Entscheidungsträger indem man ihre Kompetenz und Zuständigkeit bezweifelt, in der Hoffnung, dass neue Köpfe die Vorgeschichte (noch) nicht kennen und drum milder gestimmt sind.

Danach folgt ein Streuwurf von Argumenten. Da wird alles aufgeschrieben, was so in den Sinn kommt, egal, ob man die Punkte selbst stichhaltig findet oder nicht. Die Punkte müssen nur ablenken, noch besser beschäftigen, man hat ja Anspruch auf eine Antwort.

Sodann kommt der Vorwurf der schlechten Kommunikation, das funktioniert immer. Und zum Schluss kritisiert man jedweden Lösungsvorschlag, weil man ja selten in der Pflicht ist, Brücken zu schlagen und Neues zu gestalten.

Selbst wenn man seinen eigenen Zustand unbefriedigend findet, ist er besser als Veränderung.

Viel

Wer ist ein Optimist, wer ein Pessimist? Diese Frage hat damit zu tun, woher man kommt und wohin man will. Am Beispiel beschrieben:

Skitour rund um den Säntis. Der Aufstieg zur Wagenlücke ist im Frühjahr bei schönem Wetter eine ‚heisse‘ Sache. Die Schnee reflektiert, der Hang ist südwärts ausgerichtet. Der Naturfreund wird deshalb von der Sonne von oben und unten perfekt gegrillt. Ein halbes Glas Wasser ist hier für den Durstigen sehr wenig.

Wer schon zur Darmspiegelung musste, weiss, dass man vorher literweise grässliche Abführ-Medizin trinken muss. Besonders das letzte halbe Glas ist da unendlich viel.

Ob halbvoll oder halbleer, das kommt eben auf die Verhältnisse an, ist weniger Charaktersache.

Wir sind in der Mitte der vierjährigen Amtszeit. Es braucht etwas Sport und wahrscheinlich gibts auch noch die eine oder andere bittere Pille zu schlucken, auf dass wir Ende 2024 mit Freude zurückblicken können.

Schluss

Hörgewohnheiten entwickeln sich über Jahrzehnte. Sie sind ein Kulturgut, das ständig im Wandel begriffen ist, von Klassik zu Blues, Jazz, Rock, Pop, Hiphop, Trance. Um Veränderungen festzustellen, braucht es konstante Grössen, beispielsweise die traditionelle Kirchenmusik. Dort gibt es den plagalen Schluss, auch ‚Chileschluss‘ genannt. Man erkennt ihn daran, dass er von der vierten Stufe, der Subdominante, zum Grundton auflöst und dort endet.

Muss man das wissen? Nein. Sie kennen die Akkordfolge wahrscheinlich trotzdem, es ist das gesungene, feierliche A-men in der Kirche. Und wie so oft war zuerst die Anwendung, hier die Form eines Liedschluss, die hinterher erklärt wurde und heute in der modernen Jazz–Musik unter dem Titel backdoor Verwendung findet.

Ich hoffe, dass Sie zum Schluss des Jahres viele gute Erklärungen finden, weshalb es ein gutes Jahr war. Jedenfalls wünsche ich Ihnen und Ihren Angehörigen einen guten Schluss, Frohe Festtage und dann ein gutes Neues Jahr.

Geschenk

Das Thema ‚Schenken‘ hat im Jahreskalender mehrere feste Plätze: Weihnachten, Ostern, Valentinstag. Oder es ist mit Personen verknüpft – Geburtstag, Heirat, Abschlussprüfung.

Schenken hat viele Facetten wie Dankesagen, Wertschätzung, Versöhnung, Geschäftsanbahnung, hat kulturelle Unterschiede, psychologische Momente und rechtliche Anforderungen.

Gerade erlebe ich, wie Geschenke als selbstverständlich betrachtet werden, ja wie sogar eine Anspruchshaltung entwickelt wird, man hätte gern mehr, anders, länger. Da vergehen einem Lust und Freude am Schenken und es redet jenen das Wort, die sagen, dass es nichts umsonst gebe.

Geschenkte Zeit und Aufmerksamkeit sind wertvoll, weil sie rarer werden. Mich freuts, wenn Sie diese Minute, die Sie brauchen, um diesen Text zu lesen, bewusst weiterschenken.

Schöne Adventszeit!

Gegensätze

Hoch – tief. Kalt – warm. Alt – jung. Arm – reich. Schön – hässlich. Schwarz – weiss. Fremd – bekannt. Schnell – langsam. Links – rechts. Unsere Sprache, unsere Kultur, basiert auf Gegensätzen, auf Polaritäten. 

Muss das so sein? Kennen Sie Sprachen oder Kulturen, die anders funktionieren? Oder ist das Prinzip der Gegensätze eine Hilfskonstruktion, auf dass Menschen sich einfach verständigen können? Man braucht ja eine gemeinsame Basis, von der aus man diskutieren kann.

Interessant wäre doch das, was zwischen den Extremen geschieht. So etwa die Frage, wie man von einem zum anderen Pol kommt und wie sich die Balance halten lässt. 

Ohne dass ich eine Lösung hätte: mich befriedigt das Konzept der Gegensätze nicht. Vieles, was den Menschen ausmacht, wie die Natur funktioniert, hat mehr Dimensionen als wir heute kennen – dieser Satz enthält mindestens 10 Gegensätze und hilft nicht wirklich weiter. Auch Schwarm-Intelligenz kann Pole nicht auflösen.

Wem das zu philosophisch ist: wenn etwas einfach scheint, könnte es komplex sein. 

GA

Ein grosser Posten sind 70 000 CHF nicht, gerade mal ein Promille des Budgets der Gemeinde. Dennoch: dass die Bürgerschaft an ihrer Versammlung direkt zusätzliche Ausgaben beschliessen kann, und sei es ‚nur‘ für SBB-Tageskarten, ist ein Merkmal unserer Demokratie. Unsere deutschen oder österreichischen Nachbarn würde sich ‚die Hände abschlecken‘, wenn sie nur schon über den Steuerfuss abstimmen könnten.

Ob es angesichts des Umstands, dass mehr als die Hälfte der Kosten des öffentlichen Verkehrs vom Steuerzahler finanziert wird, ein zusätzliches öffentliches Engagement für SBB-Tageskarten braucht, ist der Beurteilung jeder Einzelnen anheimgestellt.

Wer nun kritisch feststellen will, dass die Bürgerschaft ad hoc und allzu leichtfertig zusätzlich 70 000 CHF für wenige Bahnfahrer ausgebe, den muss ich leider aufklären, dass mir ein Fehler unterlaufen ist. Selbstredend gibt es auch einen Ertrag aus dem Ticketverkauf – im Idealfall CHF 70 000. Der Beschluss ist also nicht ergebnis-, dafür demokratiewirksam.

Gespräch

In vielen Betrieben ist jetzt die Zeit der Mitarbeitergespräche. Management by objectivs, Führen über Zielvereinbarungen, ist die Idee von Peter Drucker, dem angeblichen ‚Erfinder‘ dieses Konzepts. Ziele sollen auf alle Köpfe der Organisation verteilt und so besser erreicht werden. Das Konzept ist einleuchtend, und – so die Wissenschaft – in der Praxis anspruchsvoll. Drum wird an Formularen und Hilfsmitteln getüftelt, werden Menschen geschult, auf dass standardisiert und strukturiert werde, was nie Standard ist und selten Struktur hat – der Mensch.

Es ist gut, regelmässig überall das zu reden, wofür im Alltag keine Zeit ist, über Ziele, grosse Pläne und über Bagatellen, die eben doch mehr sind.

Habe im Haus in die Runde gefragt, was das beste an einem Mitarbeitergesprächs sei. Hierauf Antwort 1: „Wenn es vorbei ist!“ Antwort 2: „Ist wie beim Zahnarzt – wenns vorbei ist, stellt man fest, dass es gar nicht so schlimm war.“ Und es gab die Gegenfrage: „Führst Du Selbstgespräche?“

Zugehörig

Sie kennen das: Man steigt in einen Lift ein. Es sind schon ein paar Menschen drin. Obwohl sich die Fahrgemeinschaft erst ein Stockwerk weiter unten gebildet hat, fühlt man sich fremd. Angespannte Stille, niemand spricht.

Dass man sich zu einer Gruppe zugehörig fühlt, braucht mehr als ein Ziel, an das man sich befördern lässt. Es braucht Aktion.

Ein Dankeschön drum den 50 Menschen, die sich vor einer Woche an der Diskussion um die Erschliessung von Niederuzwil beteiligt haben. Sie sind nicht nur in einen Lift eingestiegen und haben geschwiegen, sondern haben sich intensiv ausgetauscht.

Mit diesem Prozess sind auch Erwartungen generiert worden. Diese Energie in Bahnen zu lenken, ergebnisorientiert, wird eine Herausforderung sein. Die Aufgabe ist komplex und voller gegensätzlicher Aspekte, von den rechtlichen nicht zu reden. Und dass der Gemeinderat hören soll, wie es den Menschen geht, war ein wichtiger Teil der Veranstaltung. Besser als schweigend Liftfahren.