Freitag

Der EHC Uzwil schwimmt auf einer Erfolgswelle, hat in den Playoffs den direktesten Weg ins Halbfinal genommen. Schon am Donnerstag Abend, also noch vor dieses Blatt herauskommt, gehts wieder zur Sache. Es wird wieder einmal richtig spannend – hopp Uzwil!

Die Spannung erfasst offenbar auch junge Leute. So sei N. A. der Meinung, dass sein Sohn in der Unterstufe kein Handy brauche. Die Resultate des EHC Uzwil aber darf der Sohnemann jeweils am Sonntag in aller Hergottfrühe abrufen, weil wichtig und dringend.

Ausnahmsweise sei der Zugriff schon am Freitag erlaubt.

Beulen

Der Schifflipark hinter dem Gemeindehaus hatte einst einen tollen Rundlauf, eine Art Karussell mit langen Ketten und Holzgriffen. Man konnte wunderbar fliegen, wenn man nur schnell genug im Kreis rannte, vorzugsweise mit ein paar Gspänli. Dann aber musste der Rundlauf weg, zu gefährlich. Denn: Wer sich zu langsam aus dem Rund entfernte, dem drohte Gefahr von hinten, der nachfolgenden Kette samt Holzgriff. Ja, das gab Beulen und praktische Kenntnisse in Physik, etwa über Schwer- und Fliehkraft, Beschleunigung und das Trägheitprinzip.

Der Rundlauf ist nun durch eine Rutschbahn ersetzt. Sie wissen, eine solche in Form eines grossen Rohrs, aus dem sicher kein Kind rausfällt.

Kürzlich musste ich schmunzeln, ‚sicherheitshalber‘. Zwei Buben kletterten zu zweit aufs Rohr und rutschten stehend in den Socken runter. Ergebnis? Beulen und Hoffnung für die Zukunft unserer Gesellschaft.

Egoismus

Wenn ich in alten Protokollen des Gemeinderats blättere, wird seit Jahrzehnten beklagt, dass der Egoismus stetig zunehme. Freiwillige finden, schwierig. Verantwortung übernehmen, lieber nicht. Helfen, nur ausnahmsweise. Zahlen, schon gar nicht.

Landläufig höre ich, dass der Egoismus immer noch zunehme. Die sozialen Medien förderten die Selbstinszenierung. Die Politik betone Freiheit und Wettbewerb. In der Gesellschaft gebe es immer tiefere Gräben aller Art, vom Geld über den Status bis zu Regionen. Und ja, das lässt sich so sehen.

Es gibt gute Beispiele, die genau aufs Gegenteil hindeuten. Menschen, welche die Nachfolge als Präsident einer Organisation auf Anfang Jahr übernommen haben, sich als Trainerin engagieren, für die grippekranke Nachbarin sorgen.

Mit Bestimmtheit haben Menschen der Erweiterung der Schulanlage Herrenhof zugestimmt, die keine eigenen Kinder dorthin schicken und sich auch vor einem Hochwasser des Hueberbachs keine Sorgen machen müssen.

Zu diskutieren wäre, ob Egoismus überhaupt erst Gemeinschaft möglich macht.

Jedenfalls danke ich namens des Gemeinderats und allen, denen das Schulhaus oder der offene Hueberbach direkt nützt, für das Ja.

Schmerz

Der Arzt fragt mich nach dem Schmerz. Ich solle ihn auf einer Skala zwischen 1 und 10 einordnen. Hhmm. Es ist doch nicht mehr Mode, Noten zu verteilen? Das werde dem Menschen und der Sache nicht gerecht, heissts im Bildungswesen.

Ich halte kurz inne, durchforste meine Erfahrungen. Darüber hinaus gibt es schmerzhafte Ereignisse, die ich nicht kenne wie Nierensteine oder eine Geburt. Was für eine Zahl soll ich angeben? Was ist dieses pulsieren, stechen, surren Wert? Im Hinterkopf habe ich ein Gespräch mit B. K. Es gebe kulturelle Unterschiede in der Schmerzbewertung. Kulturen, die den Schmerz überwinden wollen und andere, die sich ihm ergeben. Weich-Ei sein oder Held spielen?

Ok, ich sage dem Arzt eine Zahl. Das klärt und entspannt. Noten, Zahlen können etwas anderes als wortreiche Beschreibungen. Sie schaffen Klarheit, Verbindlichkeit, sind eindeutig. Eigentlich vergleichbar mit dem Steuerfuss. Der ist auch etwas wie eine Schmerzziffer.

Auftrag

Termin beim Coiffeur. Ich bekomme mit, was auf dem Sessel nebenan diskutiert wird und staune über die Bestellerqualitäten unserer Jugend: Im Nacken die Haare von null auf drei Millimeter schneiden, hier die Kante, das Deckhaar ab hier 15 mm und dort ein Übergang, inkl. Augenbrauen zupfen usw. – ungefähr so hats etwa getönt. Die Instruktionen dauerten gut und gern 2 Minuten.

Ich bin bass erstaunt, wie genau der junge Mann weiss, wie seine Frisur künftig aussehen soll. Dafür brauchts Vorstellungsvermögen, Vergleichsfähigkeit und eine intensive Befassung mit dem Thema. Diese Kompetenzen kann man für vieles nutzen, seis in einem grafischen Beruf, bei handwerklichen Tätigkeiten oder eben wenn es darum geht, Aufträge zu formulieren.

Ich schmunzle ein bisschen, wie wichtig Frisur und Aussehen geworden sind – wohl eine Alterserscheinung. Allerdings: Mit 17 wäre ich zu einer solchen Auftragserteilung nicht in der Lage gewesen. Und heute fehlen die Haare dazu.

Zeit

Wie wäre die Welt ohne Zeit? Keine Termine, keine Pausen und keine Ferien. Der öffentliche Verkehr bliebe ohne Fahrplan. Es gäbe kein Lichtsignal. Computer und das Internet müssten neu erfunden werden, auch die Musik und die Skirennen.

Schräge Gedanken. Allerdings ist die erste bekannte Sonnenuhr erst 6 000 Jahre alt. Die alten Ägypter hatten Sand- und Wasser-Uhren, die alten Griechen kannten den Wecker. Mechanische Uhren gibts seit 700 Jahren.

Die Geschichte des Homo sapiens reicht jedoch weit über 100 000 Jahre zurück. Ergo existiert der Mensch schon deutlich länger ohne Uhr als mit Uhr. Erkenntnis? Es ist nicht unmöglich, dass auch in Zukunft etwas in unser Leben treten könnte, das eine ähnliche Bedeutung wie die Uhr hat. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit.

Dank der Zeit gibt es Vergangenheit und Zukunft und die Hoffnung, dass alles besser wird. Bis dahin lösen wir die handfesten Probleme, klären mit dem Curling Club, wer das Hallendach kaputt gemacht hat und mit der Nachbarschaft den Standort des Salzsilos.

Lächeln

Vorsätze nach den Festtagen zielen oft auf Wohlbefinden und Fitness: Gleichgewicht wieder herstellen. Weil man mehr gegessen hat, mehr gesessen ist, als verträglich war. Dieses Problem lässt sich auf verschiedenste Lebensbereiche und alle Jahreszeiten übertragen, betrifft den einzelnen Menschen ebenso wie das Gemeinwesen. Es lässt sich, so meine Beobachtung, kaum ganz vermeiden. Entscheidender ist, dass man weiss, wie man wieder zurückfindet, vorzugsweise ohne sich allzu sehr plagen zu müssen.

Abnehmen, Gewicht reduzieren, Ballast abwerfen ist drum nach meiner Einschätzung das schlechtere Ziel als Balance finden. Nicht, weil man etwas anderes machen müsste, sondern weil das erstere, Gewicht reduzieren, mit Anstrengung, Verzicht, Qual, verbunden wird. Balance finden hat dagegen etwas leichtes, spielerisches, lustvolles. Ein Indiz, dass dies gerade gelingt: Mehr lächeln, auch innerlich, für sich. Das wünsche ich Ihnen und uns im 2024.

Geschenk

Der Blick aufs vergangene Jahr macht Freude. Vieles ist auf gutem Weg. Die Aufgabenbücher sind zwar voll und nicht alles kann jetzt und sofort. Mit Kontrollen macht man sich keine Freunde. Gemeinde-Projekte haben oft eine grosse Zahl von Beteiligten, Kommunikation ist nahe unendlich schwierig. Und zuguterletzt versuchen sich Staatsverweigerer, zwischen bedauernswert und frech.

Was schwierig ist, kann nicht jeder, nicht jede. Drum sind Herausforderungen ein ‚Geschenk‘, jedoch nicht für unter den Christbaum. Auspacken und in die Ecke stellen geht nicht. Es ist auch nicht schnell gegessen oder nur zur Zierde. Herausforderungen sind ein ‚Geschenk‘, um dran zu wachsen. Sie müssen nicht gross, es können auch nur viele sein.

Eben hat sich R. F. per Mail für sanierte Bänkli, Wegtäfeli und einen Defi bedankt. Das freut mich. Damit man sich ums Grosse kümmern kann, müssen die kleinen Dinge erledigt sein. Meine Weihnachtsgrüsse an Sie verbinde ich drum mit meinem Dank an mein Team.

Gestaunt

Stand kürzlich in einer Menschenmasse, hörte, was Leute so über die neu gestaltete Bahnhofstrasse sagen. Vielleicht lags am Hut und am hochgeschlagenen Kragen, dass die Leute ‚offen‘ sprachen. Ähnlich gings kürzlich bei einem Mittagessen in einer Gruppe, welche die Menschen nicht über den Beruf identfizierte. Schön, einmal nicht Gemeindepräsident zu sein. Es wurde intensiv über die Energieversorgung und die Mangellage diskutiert.

Das sind interessante Momente. Man erfährt, wie der Wissensstand der Allgemeinheit über die öffentliche Infrastruktur ist und welche Bilder sie sich macht. Da werden erstaunliche Kombinationen hergestellt, auf die man nimmer gekommen wäre. Angefangen von der Vermutung, wer welche Interessen haben könnte bis zur Einordnung von technischen Details. Es werden Beziehungen als Grund für Entscheidungen vermutet, die mir jedenfalls nicht bekannt sind und für die ich auch keine Indizien habe.

Man muss einfach kommunizieren, verständlicher erklären, sicher. Dann gibt es weniger Fehlschlüsse. Allerdings, es ist auch eine Pflicht, an der Quelle nachzuforschen statt nur nachzuerzählen.

Nun gut, es ist Weihnachtszeit. Ob da Quellenforschung auch wichtig ist? Jedenfalls ist staunen hier sicher politisch korrekt.

Ersatz

An der Bahnhofstrasse stehen beim evangelischen Kirchgemeindehaus zwei kapitale Rotbuchen. Der schwere Schnee der letzten Tage und Pilzbefall haben diesen wohl über 150-jährigen Giganten so zugesetzt, dass sie gefällt werden müssen, aus Sicherheitsgründen. 

Schade, da hilft nichts, dass die Bäume unter Schutz stehen und die Kirchgemeinde in weiser Voraussicht am Standort bereits vor einiger Zeit zwei neue gepflanzt hat. Die Lücke wird das Ortsbild und das Kilma im Umfeld massgeblich verändern. Jede der beiden Buchen hat mehr ‚ökologisches Gewicht‘ als 20 Jungbäume. 

Junge Bäume ärgern oft, wie Jugendliche. Später gehen sie in der Masse unter, sie sind einfach. Wenn sie alt und gross sind, machen sie Freude, erheischen Respekt, spenden Energie und haben Strahlkraft. Dank denjenigen, die sie gepflanzt und gepflegt haben. Eine schöne Lebensmetapher.