DDSS

Man kann in vielen Situationen etwas fürs Leben lernen, besonders in aussergewöhnlichen und so auch im Funkverkehr.

DDSS ist eine einfache Funkregel und steht für Denken-Drücken-Schlucken-Sprechen. Sie meint, dass man sich zuerst überlegen soll, was das Gegenüber für seine Arbeit wissen muss und wie man das möglichst kurz und klar sagt – gar nicht so einfach. Dann auf den Knopf drücken und warten, bis die Verbindung steht. Ist sie da, nicht sofort drauf los reden, sondern schlucken, sprich mit einer Kurz-Pause beginnen, sonst verpasst das Gegenüber den Anfang. Und dann eben sprechen, was es zu sagen gibt.

Es gibt zwei Haupt-Formen: Entweder quittiert das Gegenüber den Inhalt, damit der Sender weiss, ob alles richtig verstanden wurde. Oder es handelt sich um eine einseitige Übermittlung, ohne Quittung. Sie ist für Notfälle.

Und dann gibt es eine dritte Form, in der man nach allen Regeln der Kunst ‚funkt‘ und das Gegenüber – ich denke grad an eine aktuelle Situation – hört und schreibt, was grad beliebt. Dann nützt auch DDSS nichts.

PS: Sprechregeln im Funkverkehr

Halb

Halbvoll, halbleer? Das teilgefüllte Glas muss immer wieder für einen Vergleich herhalten. Die Optimistin sieht das Glas halb voll, der Pessimist halb leer.

Ob ein Glas halb voll oder halb leer ist, hängt davon ab, woher man kommt und wohin man gehen will. Hat man schon 2 l einer grässlichen medizinischen Lösung getrunken, beispielsweise vor einem Darmuntersuch, kann ein halbleeres Glas, das noch ausgetrunken werden muss, enorm viel sein. Nach einer anstrengenden Wanderung bei grosser Hitze kann ein halbvolles Glas viel zu wenig sein.

Der Vorteil des Begriffs ‚halb‘ – es hat in jedem Fall noch Platz. Das ist etwas, das wir schätzen – wir können unsere Gemeinde entwickeln und steuern, voll und ganz.

Einfach

In der Musik, in der Literatur, in Pausengesprächen und im Dialog mit Familie und Freunden sind Ferien eine beliebte Quelle für jedwede Betrachtung. Ferien sind nicht nur Lust, sondern arbeitsrechtlich vorgeschriebene Erholung. Sie machen anderen Menschen Arbeit und sind Beziehungstest. Ferien lockern den Geldbeutel. Sie können schwierig sein.

Auch aus einer Gesamtsicht sind Ferien wichtig. Die Bevölkerung bildet sich weiter in Sozialverhalten, Sprache, Baukultur, Umweltfragen und Logistik, übt warten. Das hilft zu Hause.

Darf man in die Ferien, im Wissen, dass jemand noch auf eine Antwort wartet, gern einen Entscheid hätte, ein Arbeitsergebnis bräuchte, dass nicht alles aufgeräumt, sortiert, geordnet ist?

Die Alternative zu Ferien wäre, dass man sich übers Jahr mehr Zeit nähme. Man könnte einfach alles 9,615 Prozent langsamer machen. Das wäre wohl zu schwierig. Wir habens gern einfach, drum Ferien.

Ich wünsche schöne Sommertage!

Plumps

Zu Fuss unterwegs zur HV der Arbeitgebervereinigung (AGV), marschiere zielstrebig nach Oberbüren, will auf dem Weg dorthin noch ein paar ‚Baustellen‘ anschauen.

An der Friedeckstrasse treffe ich E. G., mit Kinderwagen, an der Hand seine Enkelin J. Die Frage, wie es so sei im Ruhestand, wäre überflüssig gewesen. Grossvater sein muss etwas ganz Spezielles sein, das sah ich am Strahlen in beiden Gesichtern: Sie hätten nämlich gerade einige Zeit aufgewendet, mit viel Hingabe Kieselsteine in einen Strassenschacht zu werfen – auf dass es so schön plumpse.

Genau, dieses Geräusch, dieses leicht verbotene Plumpsen im Schacht, ich erinnere mich.

Nach der HV der AGV wird diskutiert, was junge Leute alles können sollten, wenn sie ins Berufsleben einsteigen. Die Liste, die Enkelin J. dereinst erfüllen muss, wird lang sein. Steine in einen Schacht werfen wird nicht dabei sein. Und es mag sein, dass das nicht wichtig ist. Bleibt jedoch Frage: Wo und wie lernt man Hingabe? Ein Traktandum für die nächste AGV.

Unersetzlich

Unsere Gesellschaft definiert viele Werte über die Arbeit. Wunderbar, wenn ein Mensch in seiner Aufgabe einen tieferen Sinn und Erfüllung findet. Schliesslich steckt viel Lebenszeit drin. Die Orientierung an der Arbeit hat auch negative Seiten. Sie kann Druck erzeugen. Manipulation ist leicht möglich.

Ob man den tieferen Sinn findet, ist mithin eine Frage der inneren Ausrichtung, der eigenen Werte. Sie sollte man selbst und frei mitbestimmen können. Stimmen diese Werte privat und beruflich überein, lassen sich Differenzen besser ertragen. Dann ist Freude im Leben.

In der Arbeitswelt heisst es: „Niemand ist unersetzlich!“ Ein Satz, den ich ablehne und der mich ärgert. Man kann jemanden nicht ersetzen, höchstens versuchen, seine Arbeit zu tun. Im eigenen Tun dann einen tieferen Sinn finden und daraus Kraft schöpfen, das sei jeder Frau und jedem Mann selbst geschenkt.

Mond

Gemeinsam auf den Mond fliegen als Übung: Vier Personen sitzen in einer Raumkapsel, jede einen Bildschirm vor sich. Die vier Bildschirme zeigen zum Teil die selben, zum Teil unterschiedliche Informationen, zu unterschiedlichen Zeiten. So wie im richtigen Leben. Und jetzt 3, 2, 1 – ignition!

Ein wichtiger Erfolgsfaktor, um auf den Mond zu kommen? Bestätigen! Im Sinn von:„Die Tür ist immer noch geschlossen“, „der Tank ist immer noch zu mehr als 75 % gefüllt“, „die Geschwindigkeit ist konstant“ usw.

Bestätigungen einen hohen Wert. Sie schaffen eine verlässliche Grundlage. Gerade ein „Ja, es ist immer noch gut“ hilft schwierige Entscheide zu treffen. Das geht leider oft vergessen, dabei wäre es so einfach.

Besser gemeinsam zum Mond fliegen als jemanden auf den Mond schiessen. Auf dem Bildschirm wird die Distanz mit 357 000 km angegeben, übrigens.

Anziehend

M. B., 2. Klasse, fragt, ob ich nicht einmal über Magnetismus schreiben könne. Hhmm, ich erinnere mich ans Experiment mit dem Eisenstaub und den Magneten. Spannend, wie sich die Eisenspäne auf einem Blatt wie von Geisterhand ausrichteten.

Was weiss ich noch? Magnetismus basiert auf positiven und negativen elektrischen Ladungen und baut Felder auf. Weil man zu jedem positiven elektrischen Feld auch ein genau gegengesetztes negatives Feld konstruieren kann, lassen sich solche Felder aufheben und abschirmen. Insgesamt ein heikles Thema, weil die Auswirkungen solcher elektrischer Felder auf Mensch und Umwelt wohl nie abschliessend geklärt werden können. Wie überall im Leben: allzuviel ist ungesund.

Nur, was ist zuviel? So anspruchsvolle und brisante Themen lassen sich nicht auf diesen wenigen Zeilen erörtern. Hingegen lässt sich die Komplexität steigern, etwa mit der Frage: „Was ist die Alternative?“.

Was Kinder für Anforderungen an elterliches Wissen stellen: L. L., 10 Jahre, zu ihrer Mama: Wenn Du die erste Antwort nicht weisst, wie willst Du die anderen Fragen lösen?

Kopf

Es gibt so ein geflügeltes Wort, wonach der Fisch zuerst im Kopf zu stinken beginne. Gemeint ist, dass die Führung versagt habe. Nur, stimmt das überhaupt, dass zuerst des Fisch’s Kopf stinkt? Die korrekte Antwort auf diese Frage interessiert hier weniger. Bedeutsamer finde ich die Reflektion, wie oft man Aussagen verwendet, die man nicht selbst überprüft hat. Ist es wichtig, dass etwas richtig ist oder passt es grad in mein Weltbild?

Es gehört zum Menschsein, dass nicht nur Fakten eine Rolle spielen. Der dienstältste St.Galler Gemeindepräsident sagte mir einmal: „Was willst Du mit Fakten gegen Emotionen antreten? Chancenlos!“ Irgendwie fällt es mir immer noch schwer zu glauben, dass er Recht hat. Denn: Ob der Fisch am Kopf zu stinken beginnt, ist deshalb irrelevant, weil jedermann und jedefrau einen Kopf hat.

Gezeichnet

Zeichnen ist wie Radfahren – jede und jeder kanns mit Anleitung und Übung. Nicht, dass alle die Tour de France gewinnen können, aber mit dem Velo der Thur entlang geht für die meisten.

Was geht das die Gemeinde an, ob Sie zeichnen? Eine wichtige Fähigkeit unserer Bürgerinnen und Bürger ist präzis hinschauen, eine Voraussetzung zum Zeichnen, klar.

Es geht auch um etwas Zweites. Man soll nicht zeichnen, was man weiss, sondern was man sieht. Wir wissen, was ein rechter Winkel ist, sehen ihn in der realen Welt aber selten rechtwinklig. Und weil wir wissen, was ein rechter Winkel ist, ists schwer ihn spitz oder stumpf zeichnen, um ein reales Bild zu erhalten.

Und der dritte Grund: Im Gegensatz zur echten Fotografie kann man nicht nur zeichnen was ist, sondern was sein könnte. Solche Menschen braucht die Gemeinde, mutig Phantasievolle.

Selbstversuch mit dem Buch ‚Garantiert zeichnen lernen!‘ von Betty Edwards:

Landmarke

Wissen Sie noch, wie die Scheune auf dem Areal Sonnmatt aussah und wo der Haupteingang zum Seniorenzentrum war? 

Wie schnell in Vergessenheit geraten kann, was einen Ort prägte. Und wie Bilder aus alten Zeiten wieder lebendig werden, wenn man nach langen Jahren zurückkehrt.

Am 21./22. Mai ist im Seniorenzentrum Sonnmatt Tag der offenen Tür. Schauen Sie nicht ans, sondern aus dem neuen Haus. Ich verspreche Ihnen schöne An- und Ausblicke. 

Haben Sie gewusst, dass es einen Erinnerungshügel gibt, der zwischen dem 10. und dem 30. Altersjahr liegt? In dieser Zeit speichert man mehr. Dank Landmarken wie Kirchtürmen, Schulhäuser, Fabrikanlagen, Badi, Eishalle, Vogelsberg, Bahnhof, Säntis weiss man, wo man ist, zu Hause ist.

Ein gutes Gefühl von Geborgenheit, der Leitgedanke des Seniorenzentrums, knüpft an solche Erinnerungen. Erinnerungen müssen nicht zufällig sein. Wir können sie schaffen. Und wir haben sie geschafft. Schauen Sie.