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Ein grosser Posten sind 70 000 CHF nicht, gerade mal ein Promille des Budgets der Gemeinde. Dennoch: dass die Bürgerschaft an ihrer Versammlung direkt zusätzliche Ausgaben beschliessen kann, und sei es ‚nur‘ für SBB-Tageskarten, ist ein Merkmal unserer Demokratie. Unsere deutschen oder österreichischen Nachbarn würde sich ‚die Hände abschlecken‘, wenn sie nur schon über den Steuerfuss abstimmen könnten.

Ob es angesichts des Umstands, dass mehr als die Hälfte der Kosten des öffentlichen Verkehrs vom Steuerzahler finanziert wird, ein zusätzliches öffentliches Engagement für SBB-Tageskarten braucht, ist der Beurteilung jeder Einzelnen anheimgestellt.

Wer nun kritisch feststellen will, dass die Bürgerschaft ad hoc und allzu leichtfertig zusätzlich 70 000 CHF für wenige Bahnfahrer ausgebe, den muss ich leider aufklären, dass mir ein Fehler unterlaufen ist. Selbstredend gibt es auch einen Ertrag aus dem Ticketverkauf – im Idealfall CHF 70 000. Der Beschluss ist also nicht ergebnis-, dafür demokratiewirksam.

Gespräch

In vielen Betrieben ist jetzt die Zeit der Mitarbeitergespräche. Management by objectivs, Führen über Zielvereinbarungen, ist die Idee von Peter Drucker, dem angeblichen ‚Erfinder‘ dieses Konzepts. Ziele sollen auf alle Köpfe der Organisation verteilt und so besser erreicht werden. Das Konzept ist einleuchtend, und – so die Wissenschaft – in der Praxis anspruchsvoll. Drum wird an Formularen und Hilfsmitteln getüftelt, werden Menschen geschult, auf dass standardisiert und strukturiert werde, was nie Standard ist und selten Struktur hat – der Mensch.

Es ist gut, regelmässig überall das zu reden, wofür im Alltag keine Zeit ist, über Ziele, grosse Pläne und über Bagatellen, die eben doch mehr sind.

Habe im Haus in die Runde gefragt, was das beste an einem Mitarbeitergesprächs sei. Hierauf Antwort 1: „Wenn es vorbei ist!“ Antwort 2: „Ist wie beim Zahnarzt – wenns vorbei ist, stellt man fest, dass es gar nicht so schlimm war.“ Und es gab die Gegenfrage: „Führst Du Selbstgespräche?“

Zugehörig

Sie kennen das: Man steigt in einen Lift ein. Es sind schon ein paar Menschen drin. Obwohl sich die Fahrgemeinschaft erst ein Stockwerk weiter unten gebildet hat, fühlt man sich fremd. Angespannte Stille, niemand spricht.

Dass man sich zu einer Gruppe zugehörig fühlt, braucht mehr als ein Ziel, an das man sich befördern lässt. Es braucht Aktion.

Ein Dankeschön drum den 50 Menschen, die sich vor einer Woche an der Diskussion um die Erschliessung von Niederuzwil beteiligt haben. Sie sind nicht nur in einen Lift eingestiegen und haben geschwiegen, sondern haben sich intensiv ausgetauscht.

Mit diesem Prozess sind auch Erwartungen generiert worden. Diese Energie in Bahnen zu lenken, ergebnisorientiert, wird eine Herausforderung sein. Die Aufgabe ist komplex und voller gegensätzlicher Aspekte, von den rechtlichen nicht zu reden. Und dass der Gemeinderat hören soll, wie es den Menschen geht, war ein wichtiger Teil der Veranstaltung. Besser als schweigend Liftfahren.

Hexenschuss

Eben war ich noch munter unterwegs und dann Zack, ein veritabler Hexenschuss. Nichts geht mehr, weder sitzen noch stehen, geschweige denn Schuhe binden.

Es gibt von äusseren Umständen verordnete Denkpausen oder Aufgaben, die ungefragt gestellt werden. So ist das auch, wenn der Nachbar baut, wenn sich ein Verkehrskonzept ändert, sich ein Markt verlagert. Man muss sich befassen, obwohl man nicht wollte. Genau dann ist die Gefahr gross, dass man steif und unbeweglich wird. Wie kommt man aus der Blockade? In kleinen Schritten, sich langsam vortasten, auch neue Wege versuchen, ev. mit Spritze, einer Ideen-Spritze zur Deblockade. Es lohnt sich auch, über Ursachen nachzudenken, mehr noch über Kriterien und Lösungen.

Am Freitag, 4. November 2022, 19:00 Uhr, findet im katholischen Pfarreiheim Niederuzwil ein Anlass zum Thema Verkehrserschliessung des Industriegebiets Niederuzwil statt.

Knopf

Salzburg, Familie Mayer, seit 250 Jahren auf Knöpfe aller Art spezialisiert. In Schachteln sortiert, von Hand beschriftet, zu zweien mit Band verschnürt, auf etwa 10 m Länge und 2 m hoch gestapelt. Da liegen also 2 000 Schachteln, in jeder drei Grössen von Knöpfen und von jeder Grösse etwa 15 Exemplare, ergo etwa 90 000 Knöpfe.

Knöpfe können ein Kleidungsstück markant verändern, mehr in Richtung Noblesse scheinen lassen oder sehr rustikal. Und auch bei einem grossen Angebot ist es schwierig, den richtigen zu finden, vor allem wenn einer verloren geht oder farblich passen soll.

Wenn die Gemeinde budgetiert, gilt es wie bei den Knöpfen die Grössenordnungen im Kopf zu haben, überschlagsmässig rechnen hilft. Dann aussortieren, bewerten, passend auswählen, auf dass Nutzen und Effekt hoch sind.

Wann haben Sie das letzte Mal einen Knopf angenäht? Oder schwieriger: ein Knopfloch gemacht? Scheinbar einfache Dinge können ganz anspruchsvoll sein.

Vorab

Ja, es hat mich schon ziemlich geärgert, dass wir uns schon ganz früh in Planungen mit allerlei Themen befassen müssen, die keine konstruktiven Beiträge leisten, oft einfach lästig sind. Das beginnt bei der Erdbebenertüchtigung, geht zur Altlastenthematik und setzt sich in der Behindertengerechtigkeit, dem Brandschutz und der Durchbruchsicherheit von Gläsern fort. Natürlich, alles ist wichtig, Sicherheit geht immer vor. Nur könnte man gelegentlich auch das Ziel aus den Augen verlieren: wir wollten nur einen Spielplatz bauen, ein Haus sanieren, eine Strasse anpassen und nicht die ganze Welt retten. Die Nebenpunkte diktieren das Ziel oft ungehörig.

Und dann findet sich plötzlich im Wald oberhalb der Henauer Kurche eine alte Mauer – ob statisch oder historisch relevant, das wird sich zeigen. „Haben die das nicht früher geprüft? Das hätte man doch wissen müssen!“

Ich rechne mit Kommentaren dieser Art. Mist. Wir werden uns wohl weiterhin mit allerlei Nebenpunkten befassen müssen, bevor wir über Ziele reden.

Energie

Erfahrung ist Energie, gespeicherte mentale Energie. Und wie nutzen wir sie? Sie hilft uns etwa Wege, Arbeitsgänge, Gedanken abkürzen. Sie steht uns aber auch im Weg, etwa wenn wir neue Ideen suchen, weil wir verhaftet sind. Wir sollten sorgsam mit Erfahrung umgehen.

Jüngst gab es Leserbriefe von Thurgauer Gemeindepräsidenten im Ruhestand und von einem Alt Stadtrat, die sich zur Umfahrung von Bronschhofen äusserten. An diesem Beispiel: Mag ja sein, dass sie recht haben. Jedoch: Die Zeit des eigenen Wirkens ist in jeder, nicht nur in politischen Funktionen beschränkt. Auch wenns unter den Nägeln brennt. Es dürfen und müssen andere ran. Andere schaffen vielleicht, was einem selbst nicht gelang. In jedem Fall sammeln sie Erfahrungen. Die eigene war auch nicht gratis.

Wie also Erfahrung sinnvoll nutzen? Am besten nicht im angestammten, sondern einem anderen Bereich. Das ärgert die Aktiven weniger, gibt mehr Wertschätzung und führt zu besseren Ergebnissen. Gilt auch für …!

Betroffen

Es liegt im Wesen eines Entscheids, dass es um etwas Wichtiges, etwas Bedeutungsvolles geht. Nur: für wen und weshalb?

M. D., eine ältere Dame, meinte vor einiger Zeit: „Ihren Job möchte ich nicht. Da muss man dauernd schwierige Entscheidungen treffen. Und all die vielen Meinungen.“ Ich fragte: „Das ist doch Ihr Garten?“ „Natürlich!“ meinte sie und schaute zum Haus. „Dann jäten Sie auch?“ Die Frau schmunzelte: „Klar, das ist nötig, wenn man einen schönen Garten mit etwas Ordnung haben will.“ „Und wie machen Sie das?“ Sie schaute mich irritiert an: „Halt das Unkraut auszupfen und ausstechen.“ „Und wie wissen Sie, was Unkraut ist?“ „Wenn man schon so lange gärtnert, weiss man das, das geht ganz automatisch.“

Und so wird über Leben und Tod entschieden, ganz automatisch, mit dem Garten-Häckeli oder auch mit der Fliegenklatsche.

Wer trifft schwierige oder schwerwiegende Entscheidungen, und wie? Und es ist ein Unterschied, ob man sie trifft oder betroffen ist. Das gilt allerdings auch, wenn nicht entschieden wird.

20 000

Um diesen Text zu lesen, brauchen Sie knapp 30 Sekunden. In dieser Zeit könnten Sie auch Ihre Mails checken oder die Tür zuknallen und das Bild, das heruntergefallen ist, wieder aufhängen.

In 30 Sekunden treffen Sie mindestens acht Entscheidungen, vielleicht sogar neun. Trotzdem lesen Sie weiter.

Die meisten Entscheidungen treffen wir intuitiv und blitzschnell. Snooze-Taste des Weckers drücken, bei Gelb an der Ampel beschleunigen. Oft sind es gute Entscheidungen, diese schnellen, weil anders entscheiden nicht sicher besser ist – vor allem, wenn man Erfahrung in der Sache hat, meint Professor Roth.

20 000 Entscheidungen trifft ein Mensch jeden Tag. Welche möchten Sie heute noch treffen? Vorschlag: etwas über Pflanzen und besonders über Neophyten lernen, vielleicht dazu ein App herunterladen, um Pflanzen zu bestimmen.

Sind Ihre Entscheidungen schwieriger als meine? Mehr dazu nächste Woche.

Aufräumen

Littering, so der Psychologe Robert Tobias auf srf.ch, sei eines der Verhalten, das mit psychologischen Massnahmen bisher am wenigsten verändert werden konnte. Druck nützt nichts, Belehrung ebenfalls nicht, Bussen sind wirkungslos, weil sie zu klein sind.

Am besten nützt nach meiner Einschätzung das Vorbild. Wie generiert man Vor-Bilder?

Erstens selbst den Zusatzweg zum Kübel machen und zwar so, dass diese Handlung für Dritte wahrnehmbar ist. Sonst gibt‘s kein „Bild“ und damit auch kein Vorbild.

Und zweitens im Vorbeigehen ruhig und frei von Ärger für Dritte sichtbar herumliegende Gegenstände richtig entsorgen.

Sie kennen dieses Gefühl der selbstverständlichen Handlung, frei von Groll und innerem Ärger. Dieses Gefühl ist notwendig, sonst geht eine Spirale von „Räuber und Poli“ los, die genau das Gegenteil bewirkt und die jeder Hauswart kennt.

Man hat diese Souveränität nicht immer, weil man selbst zuviel mentalen Müll mit sich herumträgt.

Ergo: Vor dem Aufräumen aufräumen.