Butter

Ein Butterbrot landet immer auf der Butter-Seite. Stimmt diese Lebenserfahrung?

Die Antwort eines Physikers: Fällt eine Brotscheibe hochkant runter, landet sie gleich oft auf beiden Seiten. Wird sie aber vom Tisch geschubst, verleiht die überstehende Brotseite dem Brot einen Drehimpuls. Die Scheibe dreht sich langsam um die eigene Achse und landet bei der üblichen Tischhöhe meist auf der Butter-Seite. Erst bei einer Fallhöhe von 2 m würde die Drehung vollendet und das Brot landete unbeschadet. Aber wer hat einen Tisch, der so hoch ist?

Die korrekte Antwort bei vielen Wahrscheinlichkeitsfragen wäre: man weiss es nicht. Und das stört uns Menschen. Wir würden es gern wissen. Und basteln uns drum eine Erklärung, oft hinterher. So auch, wenn wir die Gründe für bessere Steuererträge suchen. So genau wissen wir es oft nicht, können nur abschätzen. Eine einfache Erklärung wäre: Niemand will sich die Butter vom Brot nehmen lassen.

Durchschnitt

Wozu Geschwindigkeitslimiten, Tempo-Vorschriften? Man kann ja aufpassen, sich den Verhältnissen anpassen, am Raum orientieren.

Wir neigen dazu, die Welt vom Steuer, vom Lenker aus zu sehen. Es geht aber nicht nur um mich und meine Geschwindigkeit. Wichtiger ist, dass sich die Verkehrsteilnehmer im selben Raum, auf der selben Strasse in einem ähnlichen Tempo bewegen, möglichst synchron unterwegs sind. Drum Vorschriften.

Beispiel Tempo-Limite auf der Autobahn: man muss mit Fahrzeugen zwischen 80 km/h und 145 km/h rechnen. Entsprechend weit blickt man im Spiegel zurück, plant Spurwechsel, Überholmanöver, Ein- und Ausfahrt. Aber man rechnet nicht mit einem Fahrzeug mit 250 km/h und auch nicht mit einem Traktor.

Und ebenso ist es auf Fuss- und Radwegen, in Quartieren, auf Hauptstrassen.

Wir kommen alle am besten vorwärts, wenn alle gleich schnell unterwegs sind. Auch wenn es schwer fällt: durchschnittlich kann am besten sein.

Sextant

Wer von A nach B will, folgt dem Navi, nutzt das GPS auf der digitalen Karte. Moderne Technik, ganz einfach. Sie hat den Radius der Menschen enorm vergrössert. Keine Angst mehr vor dem Nirwana. Keine „Schiss“ mehr, sich urban zu verirren oder mit der Familie im Schlepptau vom Wanderweg abzukommen – wunderbar.

Navigieren können und sich sicher fühlen, das geht eng einher. Sich so ganz auf GPS verlassen? Gut, wer andere Instrumente wie Karte-Kompass-Höhenmeter nutzen kann, ohne Strom, bei jeder Temperatur und nass.

Über die Festtage habe ich mir einen Sextanten – Navigationsgerät der Seefahrer – gebastelt, nach Anleitung natürlich. Wollte wissen, wie man sich an Horizont, Sonne oder Sternen und mit Hilfe von Zeittabellen orientiert. Nicht dass ich den Umgang schon beherrschte. Aber mehr davon verstehen, wie man sich auch noch orientieren kann, das scheint mir erstrebenswert.

Ob wir auch im Neuen Jahr Mittel und Wege finden, Radius und Horizont zu erweitern? Jedenfalls wünsche ich Ihnen Glück und beste Gesundheit.

Positiv

Wie sollen man etwas sagen, das man nicht will, ohne genau dieses Bild beim Gegenüber entstehen zu lassen? Dadurch, dass man das Ungewollte beschreibt, identifiziert, spezifiert, gibt man ihm Raum und Energie. Also genau das Gegenteil des Beabsichtigten.

Und gleichzeitig können wir ja nicht nur vom Positiven und Schönen reden, sondern müssen dem Schlechten und Bösen auch gegenübertreten.

Es ist objektiv schwierig. Eine Lösung habe ich keine, nur die Vorstellung, dass es für alle gleich schwierig ist: Ja, es ist schwierig, etwas nicht zu sagen, nicht zu tun, ja etwas nicht einmal mehr zu denken. Das Bewusstsein für diese Herausforderung kann entspannen. Kommunizieren wir das Positive bewusster:

Herzlichen Dank fürs Vertrauen im ausgehenden Jahr und meine besten Wünsche für die Festtage – bleiben Sie gesund !

Rümpeln

Weiterbildung hat Konjunktur. Lebenslanges Lernen ist ein Gebot der Stunde. Man spricht von Bildungsindustrie. Für immer mehr Dinge im Leben braucht man Zertifikate und Nachweise.

Kürzlich kamen mir Mindmaps aus einer Führungsausbildung in die Hände, aus dem Jahr 1998. Ich habe sie behalten, weil sie ein Konzentrat eines mehrjährigen Lehrgangs darstellten. Andere Ordner habe ich reihenweise dem Altpapier mitgegeben.

Kennen Sie das? Erworbenes Wissen entrümpeln? Ausmisten, wegsortieren?

Erkenntnis 1: was nicht schnell zugänglich ist, am besten auswendig verfügbar und verinnerlicht, das hat bescheidenen Wert, eigentlich keinen, ist nur Ballast.

Erkenntnis 2: Wenn ich alles umsetzen wollte, was ich gelernt habe, wissen könnte, bräuchte ich ein zweites Leben.

Oder eine Weiterbildung: ent-rümpeln.

101

Jonschwil hat in Schwarzenbach ein neues Schulhaus gebaut, mit tollem Umgebungskonzept. Ein gelungenes Projekt. Der Sichtbeton ist robust und zeigt die 10 cm breite Holzschalung, in die er eingebaut wurde, saubere Handwerksarbeit. Eiche sorgt für sichtbare, ein modernes Heizsystem für gefühlte Wärme im Haus.

Interessant ist eine Linie mit farbigen Punkten im Untergeschoss. Sie sei dazu da, das Dezimalsystem zu lernen. Der Zahlenraum bis 100 will eben auch heute noch im eff-eff beherrscht sein. Pikantes Detail: Die Linie hat 101 Punkte. Die Null ist hier auch etwas Wert. Aber wieviel? Ein ganzer Punkt oder müsste er wenigstens leer sein?

Am Montag ist Bürgerversammlung. Da geht nicht nur um Zahlen mit Nullen, sondern auch um die Frage, wie man dazu kommt und welchen Wert sie haben.

PS: Wussten Sie, dass die Perser (heutiges Iran) und die Inder schon tausend Jahre mit der Null rechneten, bevor Leonardo Fibonacci um 1200 das rechnerische Nichts in unserem Kulturkreis einführte? Wir sind nicht immer voraus, wie beim Schulhausbau.

Bild

Heute hat man, Handy sei Dank, jederzeit einen Fotoapparat zur Hand. Jeder Regenbogen, jedes spezielle Wolkenbild, Sonnenauf- und untergänge, Landschaften, Stimmungen, alles kommt vor die Linse. Auch alle persönlich wichtigen Menschen und Tiere. Sicherheitshalber drückt man ein paar Mal ab oder filmt gleich. Kostet ja nichts.

Früher kaufte man einen Film, 24-er oder 36-er, schwarz-weiss, farbig, 100, 200 oder 400 ISO. Je nach Labor kostete ein Bild CHF 1.— bis 0.19 CHF. Die Entwicklung ist erfreulich: So schlechte Bilder wie in vielen alten Alben kleben, macht heute niemand mehr. Die Kosten sind gesunken, die Qualität ist gestiegen. Die Zahl der Fotos ist explodiert, der eigenen und der fremden.

Mit der Konsequenz, dass ich immer weniger Fotos mache. Weil ich keine Zeit habe auszusondern, zuzuschneiden, geschweige denn zu bearbeiten. Die Last des riesigen Arbeitsvorrats drückt. Früher verblassten Bilder in der Sonne, heute gehen sie im Meer unter. Dass man sich nicht von allem ein Bild machen soll, hat auch in dieser Hinsicht vieles für sich.

Mosaik

Viele kleine Steine zu einem Gesamtbild zusammenfügen, so entsteht ein Mosaik. Das älteste bekannte Mosaik hat einen Durchmesser von rund 9 m, ist aus ortsfremden Steinen und Knochen, liegt im deutschen Thüringen und ist 400 000 Jahre alt. Bekannt sind Mosaike im antiken Griechenland und der alten Römer. Auch heute wird diese Kunstform noch gepflegt, bekannt sind etwa die Werke von Friedensreich Hundertwasser.

In Uzwil bauen wir nicht an einem kleinen Steinmosaik, auch nicht mit Hundertwasser. Aber wir wollen Stein um Stein zu einem Gesamtbild Zentrum zusammenfügen. Der ehemals etwas einsame Lindenplatz macht plötzlich mehr Sinn. Es wird klar, was gemeint wurde, als dieser Platz als Auftakt zum Zentrum Uzwil beschrieben wurde.

Mosaike sind ein gutes Übungsfeld: Was gedacht wurde, will getan sein.

Nachhall

Was macht den Wert von positiven Erlebnissen aus? Von Geschenken, Reisen, glücklich Erarbeitetem, sich Gegönntem, Erworbenem, Erlebtem?

Das besonders Positive wirkt idealerweise möglichst lange nach, hat einen langen, schönen Nachhall. Man kann sich nicht satt sehen, es nicht oft genug wiedererzählen, nochmals erfühlen und im Geiste durchleben. Sozusagen das Velo ins Bett mitnehmen wollen, so die Kindheitserinnerung.

Und wie hat sich die Nachhall-Zeit entwickelt? Ist sie kürzer oder länger geworden, überlagern sich Ereignisse?

Entscheidende Faktoren für die Dauer des Nachhalls dürften die Qualität des Ergebnisses und die Freude sein. Dazu haben wir aktuell auch als Gemeinde Grund: Ein mehr als 10-jähriger Planungs- und Entwicklungsprozess endet. Die Rechtsmittelverfahren sind erledigt. „Die Uzwiler Bahnhofstrasse kann neu gebaut werden!“, hallt es durchs Zentrum!

Tick

Stellen Sie sich eine mechanische Uhr vor, vielleicht eine Pendule, und ihr regelmässiges Tick, …., Tack, …., Tick, …., Tack?

Nach dem Bundesamt für Statistik macht eine Uhr in einem durchschnittlichen Männer-Leben etwa 2,68 Milliarden Mal jede Sekunde Tick oder Tack. Statisch gesehen habe ich noch eine Milliarde Ticks bzw. Tacks vor mir.

Wozu ich Sie einladen will: prüfen Sie, wieviele Male Sie den Ton ‚Tick‘ bis zum nächsten ‚Tack‘ wiederholen können. Oder anders gesagt: wie oft können Sie den Leerraum zwischen dem Tick-Tack mit dem Tick-Ton auffüllen?

Sich des Freiraums, des Nichts bewusst werden, das ist eine Aufgabe, die sich dem Einzelnen und auch der Gemeinschaft stellt. Und wenn Sie sich jetzt sagen: „Der tickt nicht richtig!“ – stimmt das sicher, mindestens bis zum nächsten „Tack“.