Vorab

Ja, es hat mich schon ziemlich geärgert, dass wir uns schon ganz früh in Planungen mit allerlei Themen befassen müssen, die keine konstruktiven Beiträge leisten, oft einfach lästig sind. Das beginnt bei der Erdbebenertüchtigung, geht zur Altlastenthematik und setzt sich in der Behindertengerechtigkeit, dem Brandschutz und der Durchbruchsicherheit von Gläsern fort. Natürlich, alles ist wichtig, Sicherheit geht immer vor. Nur könnte man gelegentlich auch das Ziel aus den Augen verlieren: wir wollten nur einen Spielplatz bauen, ein Haus sanieren, eine Strasse anpassen und nicht die ganze Welt retten. Die Nebenpunkte diktieren das Ziel oft ungehörig.

Und dann findet sich plötzlich im Wald oberhalb der Henauer Kurche eine alte Mauer – ob statisch oder historisch relevant, das wird sich zeigen. „Haben die das nicht früher geprüft? Das hätte man doch wissen müssen!“

Ich rechne mit Kommentaren dieser Art. Mist. Wir werden uns wohl weiterhin mit allerlei Nebenpunkten befassen müssen, bevor wir über Ziele reden.

Energie

Erfahrung ist Energie, gespeicherte mentale Energie. Und wie nutzen wir sie? Sie hilft uns etwa Wege, Arbeitsgänge, Gedanken abkürzen. Sie steht uns aber auch im Weg, etwa wenn wir neue Ideen suchen, weil wir verhaftet sind. Wir sollten sorgsam mit Erfahrung umgehen.

Jüngst gab es Leserbriefe von Thurgauer Gemeindepräsidenten im Ruhestand und von einem Alt Stadtrat, die sich zur Umfahrung von Bronschhofen äusserten. An diesem Beispiel: Mag ja sein, dass sie recht haben. Jedoch: Die Zeit des eigenen Wirkens ist in jeder, nicht nur in politischen Funktionen beschränkt. Auch wenns unter den Nägeln brennt. Es dürfen und müssen andere ran. Andere schaffen vielleicht, was einem selbst nicht gelang. In jedem Fall sammeln sie Erfahrungen. Die eigene war auch nicht gratis.

Wie also Erfahrung sinnvoll nutzen? Am besten nicht im angestammten, sondern einem anderen Bereich. Das ärgert die Aktiven weniger, gibt mehr Wertschätzung und führt zu besseren Ergebnissen. Gilt auch für …!

Betroffen

Es liegt im Wesen eines Entscheids, dass es um etwas Wichtiges, etwas Bedeutungsvolles geht. Nur: für wen und weshalb?

M. D., eine ältere Dame, meinte vor einiger Zeit: „Ihren Job möchte ich nicht. Da muss man dauernd schwierige Entscheidungen treffen. Und all die vielen Meinungen.“ Ich fragte: „Das ist doch Ihr Garten?“ „Natürlich!“ meinte sie und schaute zum Haus. „Dann jäten Sie auch?“ Die Frau schmunzelte: „Klar, das ist nötig, wenn man einen schönen Garten mit etwas Ordnung haben will.“ „Und wie machen Sie das?“ Sie schaute mich irritiert an: „Halt das Unkraut auszupfen und ausstechen.“ „Und wie wissen Sie, was Unkraut ist?“ „Wenn man schon so lange gärtnert, weiss man das, das geht ganz automatisch.“

Und so wird über Leben und Tod entschieden, ganz automatisch, mit dem Garten-Häckeli oder auch mit der Fliegenklatsche.

Wer trifft schwierige oder schwerwiegende Entscheidungen, und wie? Und es ist ein Unterschied, ob man sie trifft oder betroffen ist. Das gilt allerdings auch, wenn nicht entschieden wird.

20 000

Um diesen Text zu lesen, brauchen Sie knapp 30 Sekunden. In dieser Zeit könnten Sie auch Ihre Mails checken oder die Tür zuknallen und das Bild, das heruntergefallen ist, wieder aufhängen.

In 30 Sekunden treffen Sie mindestens acht Entscheidungen, vielleicht sogar neun. Trotzdem lesen Sie weiter.

Die meisten Entscheidungen treffen wir intuitiv und blitzschnell. Snooze-Taste des Weckers drücken, bei Gelb an der Ampel beschleunigen. Oft sind es gute Entscheidungen, diese schnellen, weil anders entscheiden nicht sicher besser ist – vor allem, wenn man Erfahrung in der Sache hat, meint Professor Roth.

20 000 Entscheidungen trifft ein Mensch jeden Tag. Welche möchten Sie heute noch treffen? Vorschlag: etwas über Pflanzen und besonders über Neophyten lernen, vielleicht dazu ein App herunterladen, um Pflanzen zu bestimmen.

Sind Ihre Entscheidungen schwieriger als meine? Mehr dazu nächste Woche.

Aufräumen

Littering, so der Psychologe Robert Tobias auf srf.ch, sei eines der Verhalten, das mit psychologischen Massnahmen bisher am wenigsten verändert werden konnte. Druck nützt nichts, Belehrung ebenfalls nicht, Bussen sind wirkungslos, weil sie zu klein sind.

Am besten nützt nach meiner Einschätzung das Vorbild. Wie generiert man Vor-Bilder?

Erstens selbst den Zusatzweg zum Kübel machen und zwar so, dass diese Handlung für Dritte wahrnehmbar ist. Sonst gibt‘s kein „Bild“ und damit auch kein Vorbild.

Und zweitens im Vorbeigehen ruhig und frei von Ärger für Dritte sichtbar herumliegende Gegenstände richtig entsorgen.

Sie kennen dieses Gefühl der selbstverständlichen Handlung, frei von Groll und innerem Ärger. Dieses Gefühl ist notwendig, sonst geht eine Spirale von „Räuber und Poli“ los, die genau das Gegenteil bewirkt und die jeder Hauswart kennt.

Man hat diese Souveränität nicht immer, weil man selbst zuviel mentalen Müll mit sich herumträgt.

Ergo: Vor dem Aufräumen aufräumen.

DDSS

Man kann in vielen Situationen etwas fürs Leben lernen, besonders in aussergewöhnlichen und so auch im Funkverkehr.

DDSS ist eine einfache Funkregel und steht für Denken-Drücken-Schlucken-Sprechen. Sie meint, dass man sich zuerst überlegen soll, was das Gegenüber für seine Arbeit wissen muss und wie man das möglichst kurz und klar sagt – gar nicht so einfach. Dann auf den Knopf drücken und warten, bis die Verbindung steht. Ist sie da, nicht sofort drauf los reden, sondern schlucken, sprich mit einer Kurz-Pause beginnen, sonst verpasst das Gegenüber den Anfang. Und dann eben sprechen, was es zu sagen gibt.

Es gibt zwei Haupt-Formen: Entweder quittiert das Gegenüber den Inhalt, damit der Sender weiss, ob alles richtig verstanden wurde. Oder es handelt sich um eine einseitige Übermittlung, ohne Quittung. Sie ist für Notfälle.

Und dann gibt es eine dritte Form, in der man nach allen Regeln der Kunst ‚funkt‘ und das Gegenüber – ich denke grad an eine aktuelle Situation – hört und schreibt, was grad beliebt. Dann nützt auch DDSS nichts.

PS: Sprechregeln im Funkverkehr

Halb

Halbvoll, halbleer? Das teilgefüllte Glas muss immer wieder für einen Vergleich herhalten. Die Optimistin sieht das Glas halb voll, der Pessimist halb leer.

Ob ein Glas halb voll oder halb leer ist, hängt davon ab, woher man kommt und wohin man gehen will. Hat man schon 2 l einer grässlichen medizinischen Lösung getrunken, beispielsweise vor einem Darmuntersuch, kann ein halbleeres Glas, das noch ausgetrunken werden muss, enorm viel sein. Nach einer anstrengenden Wanderung bei grosser Hitze kann ein halbvolles Glas viel zu wenig sein.

Der Vorteil des Begriffs ‚halb‘ – es hat in jedem Fall noch Platz. Das ist etwas, das wir schätzen – wir können unsere Gemeinde entwickeln und steuern, voll und ganz.

Einfach

In der Musik, in der Literatur, in Pausengesprächen und im Dialog mit Familie und Freunden sind Ferien eine beliebte Quelle für jedwede Betrachtung. Ferien sind nicht nur Lust, sondern arbeitsrechtlich vorgeschriebene Erholung. Sie machen anderen Menschen Arbeit und sind Beziehungstest. Ferien lockern den Geldbeutel. Sie können schwierig sein.

Auch aus einer Gesamtsicht sind Ferien wichtig. Die Bevölkerung bildet sich weiter in Sozialverhalten, Sprache, Baukultur, Umweltfragen und Logistik, übt warten. Das hilft zu Hause.

Darf man in die Ferien, im Wissen, dass jemand noch auf eine Antwort wartet, gern einen Entscheid hätte, ein Arbeitsergebnis bräuchte, dass nicht alles aufgeräumt, sortiert, geordnet ist?

Die Alternative zu Ferien wäre, dass man sich übers Jahr mehr Zeit nähme. Man könnte einfach alles 9,615 Prozent langsamer machen. Das wäre wohl zu schwierig. Wir habens gern einfach, drum Ferien.

Ich wünsche schöne Sommertage!

Plumps

Zu Fuss unterwegs zur HV der Arbeitgebervereinigung (AGV), marschiere zielstrebig nach Oberbüren, will auf dem Weg dorthin noch ein paar ‚Baustellen‘ anschauen.

An der Friedeckstrasse treffe ich E. G., mit Kinderwagen, an der Hand seine Enkelin J. Die Frage, wie es so sei im Ruhestand, wäre überflüssig gewesen. Grossvater sein muss etwas ganz Spezielles sein, das sah ich am Strahlen in beiden Gesichtern: Sie hätten nämlich gerade einige Zeit aufgewendet, mit viel Hingabe Kieselsteine in einen Strassenschacht zu werfen – auf dass es so schön plumpse.

Genau, dieses Geräusch, dieses leicht verbotene Plumpsen im Schacht, ich erinnere mich.

Nach der HV der AGV wird diskutiert, was junge Leute alles können sollten, wenn sie ins Berufsleben einsteigen. Die Liste, die Enkelin J. dereinst erfüllen muss, wird lang sein. Steine in einen Schacht werfen wird nicht dabei sein. Und es mag sein, dass das nicht wichtig ist. Bleibt jedoch Frage: Wo und wie lernt man Hingabe? Ein Traktandum für die nächste AGV.

Unersetzlich

Unsere Gesellschaft definiert viele Werte über die Arbeit. Wunderbar, wenn ein Mensch in seiner Aufgabe einen tieferen Sinn und Erfüllung findet. Schliesslich steckt viel Lebenszeit drin. Die Orientierung an der Arbeit hat auch negative Seiten. Sie kann Druck erzeugen. Manipulation ist leicht möglich.

Ob man den tieferen Sinn findet, ist mithin eine Frage der inneren Ausrichtung, der eigenen Werte. Sie sollte man selbst und frei mitbestimmen können. Stimmen diese Werte privat und beruflich überein, lassen sich Differenzen besser ertragen. Dann ist Freude im Leben.

In der Arbeitswelt heisst es: „Niemand ist unersetzlich!“ Ein Satz, den ich ablehne und der mich ärgert. Man kann jemanden nicht ersetzen, höchstens versuchen, seine Arbeit zu tun. Im eigenen Tun dann einen tieferen Sinn finden und daraus Kraft schöpfen, das sei jeder Frau und jedem Mann selbst geschenkt.