Unersetzlich

Unsere Gesellschaft definiert viele Werte über die Arbeit. Wunderbar, wenn ein Mensch in seiner Aufgabe einen tieferen Sinn und Erfüllung findet. Schliesslich steckt viel Lebenszeit drin. Die Orientierung an der Arbeit hat auch negative Seiten. Sie kann Druck erzeugen. Manipulation ist leicht möglich.

Ob man den tieferen Sinn findet, ist mithin eine Frage der inneren Ausrichtung, der eigenen Werte. Sie sollte man selbst und frei mitbestimmen können. Stimmen diese Werte privat und beruflich überein, lassen sich Differenzen besser ertragen. Dann ist Freude im Leben.

In der Arbeitswelt heisst es: „Niemand ist unersetzlich!“ Ein Satz, den ich ablehne und der mich ärgert. Man kann jemanden nicht ersetzen, höchstens versuchen, seine Arbeit zu tun. Im eigenen Tun dann einen tieferen Sinn finden und daraus Kraft schöpfen, das sei jeder Frau und jedem Mann selbst geschenkt.

Mond

Gemeinsam auf den Mond fliegen als Übung: Vier Personen sitzen in einer Raumkapsel, jede einen Bildschirm vor sich. Die vier Bildschirme zeigen zum Teil die selben, zum Teil unterschiedliche Informationen, zu unterschiedlichen Zeiten. So wie im richtigen Leben. Und jetzt 3, 2, 1 – ignition!

Ein wichtiger Erfolgsfaktor, um auf den Mond zu kommen? Bestätigen! Im Sinn von:„Die Tür ist immer noch geschlossen“, „der Tank ist immer noch zu mehr als 75 % gefüllt“, „die Geschwindigkeit ist konstant“ usw.

Bestätigungen einen hohen Wert. Sie schaffen eine verlässliche Grundlage. Gerade ein „Ja, es ist immer noch gut“ hilft schwierige Entscheide zu treffen. Das geht leider oft vergessen, dabei wäre es so einfach.

Besser gemeinsam zum Mond fliegen als jemanden auf den Mond schiessen. Auf dem Bildschirm wird die Distanz mit 357 000 km angegeben, übrigens.

Anziehend

M. B., 2. Klasse, fragt, ob ich nicht einmal über Magnetismus schreiben könne. Hhmm, ich erinnere mich ans Experiment mit dem Eisenstaub und den Magneten. Spannend, wie sich die Eisenspäne auf einem Blatt wie von Geisterhand ausrichteten.

Was weiss ich noch? Magnetismus basiert auf positiven und negativen elektrischen Ladungen und baut Felder auf. Weil man zu jedem positiven elektrischen Feld auch ein genau gegengesetztes negatives Feld konstruieren kann, lassen sich solche Felder aufheben und abschirmen. Insgesamt ein heikles Thema, weil die Auswirkungen solcher elektrischer Felder auf Mensch und Umwelt wohl nie abschliessend geklärt werden können. Wie überall im Leben: allzuviel ist ungesund.

Nur, was ist zuviel? So anspruchsvolle und brisante Themen lassen sich nicht auf diesen wenigen Zeilen erörtern. Hingegen lässt sich die Komplexität steigern, etwa mit der Frage: „Was ist die Alternative?“.

Was Kinder für Anforderungen an elterliches Wissen stellen: L. L., 10 Jahre, zu ihrer Mama: Wenn Du die erste Antwort nicht weisst, wie willst Du die anderen Fragen lösen?

Kopf

Es gibt so ein geflügeltes Wort, wonach der Fisch zuerst im Kopf zu stinken beginne. Gemeint ist, dass die Führung versagt habe. Nur, stimmt das überhaupt, dass zuerst des Fisch’s Kopf stinkt? Die korrekte Antwort auf diese Frage interessiert hier weniger. Bedeutsamer finde ich die Reflektion, wie oft man Aussagen verwendet, die man nicht selbst überprüft hat. Ist es wichtig, dass etwas richtig ist oder passt es grad in mein Weltbild?

Es gehört zum Menschsein, dass nicht nur Fakten eine Rolle spielen. Der dienstältste St.Galler Gemeindepräsident sagte mir einmal: „Was willst Du mit Fakten gegen Emotionen antreten? Chancenlos!“ Irgendwie fällt es mir immer noch schwer zu glauben, dass er Recht hat. Denn: Ob der Fisch am Kopf zu stinken beginnt, ist deshalb irrelevant, weil jedermann und jedefrau einen Kopf hat.

Gezeichnet

Zeichnen ist wie Radfahren – jede und jeder kanns mit Anleitung und Übung. Nicht, dass alle die Tour de France gewinnen können, aber mit dem Velo der Thur entlang geht für die meisten.

Was geht das die Gemeinde an, ob Sie zeichnen? Eine wichtige Fähigkeit unserer Bürgerinnen und Bürger ist präzis hinschauen, eine Voraussetzung zum Zeichnen, klar.

Es geht auch um etwas Zweites. Man soll nicht zeichnen, was man weiss, sondern was man sieht. Wir wissen, was ein rechter Winkel ist, sehen ihn in der realen Welt aber selten rechtwinklig. Und weil wir wissen, was ein rechter Winkel ist, ists schwer ihn spitz oder stumpf zeichnen, um ein reales Bild zu erhalten.

Und der dritte Grund: Im Gegensatz zur echten Fotografie kann man nicht nur zeichnen was ist, sondern was sein könnte. Solche Menschen braucht die Gemeinde, mutig Phantasievolle.

Selbstversuch mit dem Buch ‚Garantiert zeichnen lernen!‘ von Betty Edwards:

Landmarke

Wissen Sie noch, wie die Scheune auf dem Areal Sonnmatt aussah und wo der Haupteingang zum Seniorenzentrum war? 

Wie schnell in Vergessenheit geraten kann, was einen Ort prägte. Und wie Bilder aus alten Zeiten wieder lebendig werden, wenn man nach langen Jahren zurückkehrt.

Am 21./22. Mai ist im Seniorenzentrum Sonnmatt Tag der offenen Tür. Schauen Sie nicht ans, sondern aus dem neuen Haus. Ich verspreche Ihnen schöne An- und Ausblicke. 

Haben Sie gewusst, dass es einen Erinnerungshügel gibt, der zwischen dem 10. und dem 30. Altersjahr liegt? In dieser Zeit speichert man mehr. Dank Landmarken wie Kirchtürmen, Schulhäuser, Fabrikanlagen, Badi, Eishalle, Vogelsberg, Bahnhof, Säntis weiss man, wo man ist, zu Hause ist.

Ein gutes Gefühl von Geborgenheit, der Leitgedanke des Seniorenzentrums, knüpft an solche Erinnerungen. Erinnerungen müssen nicht zufällig sein. Wir können sie schaffen. Und wir haben sie geschafft. Schauen Sie.

100 m

Selten hat mich in jüngerer Zeit etwas so geärgert wie das Gaffen. Haben wir das dunkle Mittelalter mit öffentlichen Hinrichtungen und Folter nicht überwunden? Der niedrige Wesenszug sich am Leid anderer zu ergötzen, ist immer noch präsent, sei es bei Unfällen, Bränden oder ähnlichem.

Was Einsatzkräfte berichten, geht auf keine Kuhhaut. Da werden Absperrungen über- und unterquert, Anweisungen penetrant missachtet. Leute, die mit noch nicht einmal schulpflichtigen Kindern gaffen, haben „ä frechi Schnorre“, wenn sie in die Schranken gewiesen werden. Dabei hätten Hilfskräfte bei Gott anderes zu tun als den Pöbel zu dressieren.

Gestützt auf das Polizeigesetz können Sicherheitskräfte Personen wegweisen oder fernhalten. Gaffen jedoch gehört nicht nur verboten, sondern schneller unterbunden als die Gaffer da sind, also sofort! Das bedeutet, man muss den Spiess umdrehen: Generell darf sich im Umkreis von 100 m vor Ort nur bewegen, wer legitimiert ist. Dann braucht es keine Erklärung, kein Wegweisen und kein Fernhalten und kein Verfahren, nur eine Busse für alle Gaffer, nicht unter 1 000 Franken.

Etwas mehr Respekt, bitte!

Stille

Was sagen, in solchen Momenten? Ich bin tief betroffen vom Unglück an Karfreitag. Was sagen, wenn Menschen gegenüber sind, so von der unerwarteten Kunde überwältigt, dass Worte fehlen und jedes Worte eines zuviel und falsch ist?

Junge Menschen, eben noch ausgelassen fröhlich, sind jäh aus dem Leben gerissen oder schwer verletzt – unsäglich tragisch.

Sie, Ihre Angehörigen und überhaupt alle Menschen in schwierigen, unerträglichen Lebenssituationen verdienen unsere Stille, unsere stützende Kraft der Gedanken.

In stiller Anteilnahme

Zelle

Viele Menschen fragen sich angesichts der Ereignisse auf der Welt, was sie denn tun können, wie sie helfen könnten. Das geht mir auch so. Und gleichzeitig stelle ich bei mir und und anderen Menschen fest, dass es keine klaren Gründe gibt, weshalb Ereignisse in X mehr an die Nieren gehen, mehr aufwühlen, mehr Energie freisetzen als in Y.

Es können nicht alle vor Ort helfen, sich einer Seite anschliessen oder sühnen. Faule Ausrede, nichts zu tun? Was wir immer können, unabhängig von Alter, Ort oder Lebenssituation, ist sich selbst die Frage stellen: Wo ist der Friede hier, in meinem Umfeld, in mir selbst auf die Probe gestellt, gefährdet? Wo gelang es, Provokation in Lösungen zu verwandeln, und wo sollte ich schleunigst etwas unternehmen?

Kriege und Konflikte entwickeln sich aus kleinen Zellen. Drum gibt es noch viel zu tun, hier und jetzt.

Titel

Die Botschaft in der Zeitung ist rundweg positiv. Wenn nur der Titel nicht wäre. Er verkehrt ins Gegenteil: Nachbarn zur Kasse bitten – war das die wichtigste Botschaft?

Ein Titel soll aus dem Wohlgefühl des Alltags herausreissen, ja. Er will Aufmerksamkeit, fett und gross. Und er soll Leserschaft generieren. Titel setzen, Flagge setzen. Die Fachwelt unterscheidet Themen- und Aussagetitel. Es gibt verb-betonte und substantivistische Titel, solche mit Doppelpunkt und Frage- oder Ausrufezeichen. Es gibt sogar Forschungen zu Titeln und ganze Sammlungen.

Wenn man sich das nächste Mal über einen Titel ärgert: Vielleicht ist das im Sinn des Erfinders. Und es gibt Gelegenheit sich zu fragen: Titel? Was sollte der?