Wenn’s eilt, ist’s rot. Auf die Logik einer Lichtsignal-Anlage ist Verlass. Auch am Ochsenplatz, auch im Zentrum Uzwil, auch an der Augarten-Kreuzung. Staatlich verordnete Pausen nerven. Jedenfalls mehr als jene, die von Mitmenschen erzwungen werden. Drum sind Kreisel beliebt. Ein Mitmensch bestimmt mein Tempo, nicht nüchterne Technik. Seine Rücksicht macht meine Fahrt flüssig. Ein weiterer Vorteil des Kreisels: Drängeln wird nicht mit einer Fotografie aus dem Blitzkasten abgestraft. Man muss auch nie einsam sinnlos warten. Habe mich auch schon beim Gedanken ertappt, wie man die Steuerung des Lichtsignals zu meinem Vorteil ändern könnte. Immerhin bedeutet mein Rot für andere Grün. Das scheint mir so aus der Distanz sogar sinnvoll, besonders wenn’s eilte.
Langsam pressiere
Kürzlich hörte ich im Gemeindehaus: «Jetzt müend mir langsam pressiere!» Wer solche Sätze mit dem Seziermesser zerlegt, muss sich die Haare raufen. Was jetzt? Langsam oder Vollgas? Für unseren Ratsschreiber war klar, er meinte «markante Beschleunigung». Nur, ist das plausibel? Wer kennt schon einen Beamten, der pressieren will? Sie kennen keinen? Es ist auch unmöglich, einen Beamten zu kennen. Der Beamtenstatus ist in Uzwil schon seit 10 Jahren, beim Kanton seit dem 1. Juni 2012 ausradiert. Gestrichen. Kommt im neuen Personalgesetz schlicht nicht mehr vor. Der Beamten-Witz wird bleiben. Zum Glück. Denn in ihm steckt auch die Botschaft, dass man vom Staat nicht alles erwarten kann. «Langsam pressiere» damit wir «schnell warten» können – wie bei den Weihnachtsgeschenken.
Grüezi
Im ländlichen Raum gehört sich das «Grüezi sagen». In der Stadt hätte man ein Mengenproblem, käme vor lauter «Grüezi» nicht mehr vorwärts. Etwa in der Multergasse zur Vor-Weihnachtszeit. Da helfen ein strammer Schritt und ein ernster Blick. Das ist keine Zeit für Freundlichkeiten. Knappes Ausweichen muss als Botschaft «Ich habe Sie gesehen» reichen.
Man hat mich mehrfach darauf aufmerksam gemacht, dass ich an der Bürgerversammlung nicht formell „Grüezi“ gesagt habe. Uzwil also auf dem Weg vom Land zur Stadt? Ginge es nach den Jungbürgern, würde man in Uzwil deutlich mehr in die Höhe bauen, eine U-Bahn müsste her, ein Zoo, ein Flugplatz, ein Unesco-Weltkulturerbe und neue Wohnformen fürs Alter. Städtisch.
Wohin wir uns auch immer entwickeln: Das „Grüezi sagen“ wollen wir beibehalten. Dazu sehe ich Sie gern am Sonntag auf dem Platz vor der Migros in Uzwil. Auf dass unsere ländlich-urbane Adventsbeleuchtung weiterhin eine wärmende Begrüssung in die Landschaft strahlen möge.
Fehler
Inhalt, Zahl, Zeitpunkt, der Fehlerquellen sind viele. Auch der Stil bietet Potenziale.
Was ist wichtiger?
Mehr richtig oder weniger falsch machen?
Wir werden es sehen. Am Freitag Abend machen wir den Test. Mit den Jungbürgerinnen und Jungbürgern. Es haben sich … von … angemeldet. Ich freue mich auf diese kleine Zahl. Denn wir werden eine Stadt bauen, in einem Strategie-Spiel, gegeneinander und miteinander, Gemeinderat eingeschlossen.
Die Klasse wird sich von der Masse unterscheiden, in der Qualität der Gedanken, der Form des Dialogs, der Tat. Lieber mit weniger Jugendlichen, dafür gut. Wir machen mit unseren Jungen ein Experiment. Auf dass wir aus Fehlern lernen können, den eigenen und den von anderen. Sei’s in Inhalt. Zahl oder Zeitpunkt.
PS: Haben Sie den Fehler im Geschäftsbericht entdeckt? Wir sehen uns am 26. zur «richtigen» Bürgerversammlung
Von hinten
Ein Griff, ein Schritt, ein Ruck und die Kehrricht-Säcke fliegen in den Laderaum des LKW. Ich darf auch mit, einen Tag lang, bringe mit jeder Hand grad einen Sack knapp über die Ladekante. M. W. und M. H. schaffen locker das Doppelt und Dreifache. Sieht leicht aus, sind aber 4 x 12 Tonnen, jeden Tag.
Mein Ziel: Die Gemeinde von hinten erleben. Was verraten die Menschen in den Quartieren den beiden «Beladern»? Grosszügig. Sparsam. Bünzlig. Schluderig. Umsichtig? Säcke erzählen Geschichten. Es gibt Kreativität «wie pack ich 70 in 35 Liter?» und andere Schlaumeiereien.
Der Auftrag ist zwar einfach, den Kopf immer bei der Sache zu haben, nicht so leicht. Als mir eine mit dem Auto fast über die Füsse fährt, entfährts mir: «Blöde K …»!
Ob wir unsere Verkehrs- und Siedlungsplanung anpassen müssten? A. S. zirkelt den LKW zentimetergenau durch die Quartiere. Mehr zentrale Sammelstellen einrichten, bessere Wendeplätze, Sträucher zurückschneiden? Die Chauffeuse schaut für ihre Mannschaft hinten, steigt bei einem grossen Haufen aus, hilft. Grosser Haufen? Container sind viel effizienter. Dafür hat’s dort oft eine Sauerei.
Habe viel gelernt. Als ich am nächsten Morgen früh M. und M. in der Nachbargemeinde Flawil gut gelaunt auf ihrem Trittbrett stehen sehe, ist für mich Abfall definitiv zum Wertstoff geworden.
Einschalten
Grosse Schneeflocken. Verschneite Bäume. Weisse Strassen. Gleissende Sonne. Was fehlte einem Winter im Oktober? Am Angebot kanns nicht liegen. Die Grossverteiler wissen schon seit Februar was wir zwischen Oktober und Dezember kaufen werden. Wir Kunden sind analysiert. In Zielgruppen aufgeteilt, etwa in Früh- und Spätkäufer. Mich also über verfrühte Zimtsternen, Glühwein und Mandarinen aufregen? Ich sehe es neu als Indiz, dass ich offenbar nicht zur angepeilten Zielgruppe gehöre.
Widerstand gegen die Gesetze von Natur und Wirtschaft ist zwecklos. Auch der Kanton macht, was er gut findet. Zu dieser Einsicht gehört zuerst ein Quantum «meckern», dann die Aktion als Reaktion. Wie wir als Gemeinde den Himmel sehen, wie wir auf den frühen Wintereinbruch reagieren, lesen Sie im Geschäftsbericht
.
Gehören Sie zur Zielgruppe, die sich auf die ehrwürdige Uzwiler Weihnachtsbeleuchtung freut? Dann freuen Sie sich auf den 2. Dezember. Dann wird unsere Beleuchtung eingeschaltet, für einen vollkommenen Winterauftakt. Wann genau Sie dafür im Uzwiler Zentrum sein müssen, lesen Sie später.
Was bist Du Wert?
170 Unterschriften. So viele Einladungen habe ich kürzlich unterzeichnet. Ich wollte die jungen Leute, die dieses Jahr 18 geworden sind, persönlich zur Bürgerversammlung vom 26. November einladen. 5 Sekunden brauchte ich für eine Unterschrift, inklusive blättern. 170 mal 5 Sekunden, also 14 Minuten lang unterschreiben. Ich fragte eine Mitarbeitende: «Was hat das gekostet?» Sie lacht mich an: «Weiss ich, was Du Wert bist?». Als Gemeindepräsident ist das nicht so klar. Sie dürfen aber davon ausgehen, dass ich mir diese Frage immer wieder stelle. 20 Minuten ist meine Zielgrösse für diese Texte. Drum höre ich hier auf. Dafür hoffe ich, dass die 14 Minuten unterschreiben gut investiert sind.
Pontius
Schneller, kürzer, dichter. Die Welt rückt digital zusammen. Ob ein drahtloses Netzwerk, ein öffentliches W-LAN etwas für Uzwil wäre? Man könnte dann überall ins Internet.
«Können Sie mir heute Auskunft zum Thema W-LAN geben?» fragte mich Raffael Decrusch, neuer Mitarbeiter von fürstenlandTV, am Telefon. «Um 10:30 Uhr habe ich 20 Minuten Zeit. Kommen Sie ins Gemeindehaus?»
10:45 Uhr. Rafael Decrusch keucht mit Filmausrüstung und Stativ an. Verspätet. Wir müssen uns beeilen. Ein paar Sätze in die Kamera, ein paar zusätzliche Bilder. Rafael Decrusch erzählt nebenher seine Odyssee:
Er hatte nach «Gemeinde Uzwil» gesucht. Sein iphone lotste ihn zur FEG Uzwil, zur freien evangelischen Gemeinde am Standort Oberuzwil. Ein netter Herr erklärte ihm den Weg an die Flawilerstrasse 3, zur Gemeindeverwaltung Oberuzwil. Dort: Hier sei er falsch. Keel heisse hier Egger. Die Gemeindeverwaltung Uzwil sei an der Flawilerstrasse 2, aber in Niederuzwil. Dort am Schalter des Einwohneramts: Irrtum. Der Gemeindepräsident sei an der Bahnhofstrasse 115, in Uzwil.
Neuerdings müssen Journalisten auch sportlich sein. In 15 Minuten Uzwil’s Strukturen kennen lernen, das schafft nicht jeder.
Image
Meine Büronachbarin hat mir einen hübschen Pack Chröpfli auf den Pult gestellt. Mit einem Zettel drunter. Und wie sie mir versicherte, hat sie den Pack zuvor genau untersucht, sicherheitshalber. Wollte nach der Herkunft forschen. Fragte sich, ob die Guetzli wohl vergiftet sein könnten. Denn der Humor des Überbringers war ihr nicht ganz geheuer. Wie kommt ein Kirchberger namens Locher dazu, dem Uzwiler Gemeindepräsidenten ein Geschenk zu machen? Und ihr dazu eine Botschaft zu diktieren: «Der Gemeindepräsident hat die Chance nicht genutzt, sein Image zu verschlechtern. Drum soll er sich an diesen Chröpfli die Zähne ausbeissen».
Liebe Äbtissin Mutter Bernarda: die Chröpfli des Klosters Glattburg schmecken nach wie vor ausgezeichnet. Ich mag sie tatsächlich am liebsten steinhart.
Dur und Moll
Am Montag angerufen. Am Mittwoch mitgespielt. Robert Hayden White kann kein Wort deutsch, noch nicht. Er ist amerikanischer Austausch-Student. Spielt Trompete. Suchte Anschluss. Und fand ihn bei der Jugendmusik. So einfach geht das in Uzwil. Wie ich hörte mit dem richtigen Ton.
Am Mittwoch haben wir die Neuzuzüger in Uzwil begrüsst. Sie haben sich herausgewagt. Statt abends in die Pantoffeln in den Gemeindesaal. Sie wollen Uzwilerinnen und Uzwiler kennen lernen. Wissen, wo und wie hier die Musik spielt.
Wir zeigen unsere Gemeinde in Dur, auch wenn die Finanzlage jetzt Moll verlangen würde.