Zum Schluss

Gestern traf ich meine Vorgänger, Siegfried Kobelt und Werner Walser, hörte Uzwiler Anekdoten. Meine Schlussfolgerung: Zu Kobelt’s und Walser’s Zeiten war man nicht nur Gemeindepräsident, sondern Gemeindammann. Das ist ein feiner Unterschied. Bei der Rolle „Gemeindammann“ geht die integrale Sorge um Mensch, Wirtschaft und Umwelt weiter. Präsidenten gibt es viele.

„Wer nicht sät, kann nicht ernten …“ Mit dieser Haltung gings durchs Jahr, durchs Leben. Darauf bedacht, möglichst viel richtig zu tun, auf dass es Ertrag bringen möge. Für Leib und Seele. Für andere und sich selbst. Und dann ist Adventszeit, Weihnachten, das Jahr geht zu Ende. Zeit, Rückschau zu halten. Da fällt mir auf, dass der Satz eine Fortsetzung braucht: „… und wer nicht erntet, kann nicht säen!“ Wenns so einfach wäre, das Ernten. Dazu gehört das Vertrauen, dass man aus der Ernte wieder Saatgut gewinnen kann. Dass etwas eine gute Fortsetzung findet, wieder keimt. Für diese Hoffnung steht Weihnachten.

Darf man so etwas überhaupt schreiben? Der Gemeindepräsident ist Präsident, kein Seelsorger. Diese Frage stellte sich früher der Gemeindammann nicht. Er wünschte Ihnen einfach schöne Weihnachten. Und das tu ich jetzt auch.

Illusion

Treffen mit Stadt- und Gemeindepräsidenten von Baden-Württemberg. Ein Austausch über die Grenzen, Inspiration. Wie schafft man dort den Interessenausgleich? Was kann man von öffentlichen Körperschaften in einem anderen Umfeld lernen?

Kurze Wege, schnelle Entscheide. Das ist des Bürger’s Anspruch, Herr Gemeindepräsident! Also lehnt sich dieser aus dem Fenster, beansprucht seine Kompetenzen, schätzt ab, wozu die Ratskolleginnen und -kollegen noch Ja sagen. Für den Bürger, der etwas will, hat der Gemeindepräsident schier unendliche Kompetenzen. Man traut ihm zu, dass er jede Lärmquelle ausmerzt, Verkehrsinseln über Nacht beseitigt, Bushaltestellen verschiebt, Stützmauern, Photovoltaik-Anlagen und ganze Industriebetriebe in 15 Minuten bewilligt und Raser zähmt. Diese Illusion ist zu schön. Sie wird richtig schön, wenn man die deutschen Bürgermeister über die Regulierungswut der EU wettern hört.

Barfuss

19:15 Uhr. Nach 1,5 km schwimmen in der Badi Hosenbeine hochkrempeln, barfuss in den Feierabend. Komme am Gemeindehaus an der Flawilerstrasse vorbei. Leute stehen im Garten. Was machen die da? Neugierig trampe ich in einen kleinen Anlass. Die Verwaltungsleitung begrüsste gerade Sara Russo, Seraina Hofstetter und Lukas Butz mit ihren Eltern. Die jungen Leute starten im August mit der KV-Lehre bei uns. Und da kommt der Gemeindepräsident barfuss – welch ein erster Eindruck! Wie in den Gesichtern zu lesen war, wirkt barfuss laufen weder besonders kompetent noch autoritär. Und ist drum in den Kleidervorschriften der Gemeinde nicht vorgesehen. Ein 90-jähriger meinte kürzlich in einem Gespräch, dass er viel mehr hätte barfuss laufen sollen. Aufgeschlagene Zehen, Kieswege und frisch gemähte Wiesen, Bergbäche, Schneefelder, Rosschnecken, heisse Teerflächen – all diese Dinge hätten barfuss einen höheren Erinnerungswert. Man weiss, wie der Grund ist, wo man steht, fühlt sich verbunden. Es härtet ab, gibt Hornhaut und die Möglichkeit, peinliche Momente schönzureden.