Radar

Der Radar kreist: „Wird das positiv oder negativ für mich sein?“ Menschen haben ein feines Sensorium für alles, was ihren Status verändern könnte. Das macht Angst oder setzt Energie frei, beeinflusst Abstimmungsverhalten, Wohnort, Freundeskreis, Einkaufsverhalten. Alle Einschätzungen bestimmen in der Summe den Status eines Quartiers, eines Dorfs, einer Nation. Redet man gut von „seinem“ Ort, erhöht sich der Status, auch der eigene. Dafür müssen Einwohner und Gemeinde allerdings auch gute Gründe schaffen.

In der Felsegg in Henau soll eine neue Überbauung entstehen. Das Projekt wurde sorgfältig entwickelt und vorgestern den Anwohnern vorgestellt. Es wird neue Nachbarn geben. Ist das positiv oder negativ? In meiner Wahrnehmung war die Grundstimmung positiv. Das ungelöste Thema Fussgänger-Übergang über die Felseggstrasse kochte auf. Die Anwohner haben Recht. Ein sicherer Übergang ist nötig, Sicherheit und Status gehen einher. Was der Status „Gemeindepräsident“ bewirken kann? Mein Radar sagt, es braucht einen Radar.

Gestreift

Ausgeprägte Muster müssen im Kampf ums Überleben einen Vorteil haben. Drum hat das Zebra Streifen. Da sind sich Biologen einig. Ob das Streifen-Muster im Strassenverkehr Anwendung deshalb findet? Fussgänger-Streifen gibt’s seit 1949. Für Biologen offen ist, ob Zebras mit ihren Streifen verwirren oder lästige Insekten fern halten wollen. Mindestens so kontrovers ist die Diskussion im Strassenverkehr. Zu viele Streifen, zu wenige Streifen, am falschen Ort. Die Einen wollen zurück zum alten Regime ohne Vortritt. Die Anderen fragen sich, wie man beim heutigen Verkehr ohne Streifen überhaupt noch über die Strasse kommt.

Die gelben Balken regeln den Vortritt. Sicherheit schaffen sie nur indirekt. In einer Kampagne überprüft der Kanton auf seinen Strassen die Fussgänger-Streifen, hebt einige auf oder passt sie an. Im Eiltempo. So auch an der Gupfenstrasse. Neu endet ein Übergang an der Waldburgstrasse im Nichts. Jetzt muss die Gemeinde nachbessern. Die Lösung? Noch nicht einmal gestreift.

Sackgasse

Frühlingsmorgen. Zu Fuss. Von Niederuzwil über das Töbeli den Weg hinter der Uzeschule hinauf, den Kirchturm vor Augen. Vor dem inneren Auge habe ich eine alte Fotografie. Dieser Fussweg war mal stimmig gesäumt mit einer Baumreihe, ein Boulevard.

Fussgänger. Weil langsam nahe an der Umwelt und effizenz-bedacht. Sie wollen den kürzesten Weg. Der ist nicht gottgegeben. Man muss ihn wollen. Sonst landet man in einer Sackgasse. Und was ist ärgerlicher als zurück müssen? Drum muss es aus jeder Strasse einen Weg geben.

Oben an der Kirchstrasse, weiter zur Sek. Auf dem kürzesten Weg durch den Park zum Gemeindehaus, also am evangelischen Pfarrhaus vorbei statt durchs Schulareal. Schon x-fach gegangen, aber diesmal entdecke ich ein Schild am grossen Baum. Sackgasse? „Kein D“ ist noch zu lesen. Den Rest des Schilds hat der Baum einverleibt, mit seiner Rinde überschrieben. Ein natürlicher Protest gegen Sackgassen. Auch Bäume machen den Weg frei.