Skilager, wer macht’s?

Wäre ich je nach Tenna ins Safiental gekommen, wenn es das Skilager nicht gegeben hätte? Kaum! Wäre ich je nachts aus dem 3. Stock eines Lagerhauses gesprungen und in den 2 Metern Neuschnee fast ertrunken, ohne Skilager? Die wunderbare Erinnerung an die Disco: Damen links, Herren rechts. Skilager sei Dank. Oder die nächtlichen Ausflüge über die Feuerleiter, die einen generalstabsmässigen Wachtdienst der Lehrerschaft nötig machten?

Heute, da meine Frau und ich zum dritten Mal in verschiedener Funktion an einem Skilager teilnehmen, sehe ich auch die andere Seite: Verantwortung, wenn ein Kind auf der Piste verloren geht. Was tun bei einem Unfall? Grippe-Epidemie und Durchfall im Haus. Die lange Liste der Spezial-Medikamente, Epilepsie hier, Ritalin dort. Handy-Verbot durchsetzen. Auf der Piste sollten die Kinder etwas lernen, auch die Anti-Talente. Abend-Programm: Fackelmarsch, Schlitteln, Casino-Abend. Handy-Verbot durchsetzen. Ordnung im Schuhraum, im Schlafzimmer. Haben die eigentlich mal die Unterhosen gewechselt? Trösten nach dem Telefon mit dem Mami. Auf dem Heimweg zwei Stunden Verspätung, weil der Car defekt ist – Folge ist ein Handy-Gewitter.

Immer mehr Schulen überlegen sich, aufs Skilager zu verzichten. «Wer macht‘s?» ist die häufigste Frage. Will die «alte Garde» abtreten, stellt sich die Frage der Nachfolge. Und dann gibt‘s noch die komischen Begründungen, ein Skilager sei zu teuer. Oder zu gefährlich. Schwangerschaften nicht ausgeschlossen.

Ohne Risiko kein Lernen. Die Kosten für «Massnahmen», die wir als Gemeinde zahlen, damit Menschen später das Einmal-Eins des Zusammenlebens auf engem Raum lernen, sind ausserordentlich hoch. Da sind mir (Ski-) Lager lieber. Ermöglichen wir unserer Jugend positive Erlebnisse und trauen ihnen negative zu! Ich freue mich, dass es an unseren Schulen obligatorische (Ski-) Lager gibt! Man muss nicht überall wählen können – ausnahmsweise.
Ein öffentlicher Dank den Lehrern und Leitern unserer Gemeinde und auch den Schulräten: ein (Ski-)Lager braucht Standfestigkeit – auf allen Ebenen!

Übeltäter

Am 27. Dezember läutet um 9 Uhr das Telefon. Aufstehen vom Zmorge. Tele-Top am Apparat. Ein Journalist: «Was sagen Sie zum Saubanner-Zug in Zuckenriet»? Mein erstauntes «Hä» löst die Frage aus, ob ich denn die News der Kantonspolizei nicht mit dem Frühstück verspeiste? Gott bewahre – es ist Sonntag. Mein Hunger nach Unfällen und Verbrechen ist nicht so gross, zu keiner Tageszeit. Worum es denn gehe? Der Journalist: «In der letzten Nacht haben Unbekannte im Schlossberg-Quartier einen Sachschaden von Hunderttausenden Franken verursacht. Publizieren Sie jetzt auch wie Niederbüren die Namen der Täter?» Hoppla! Hunderttausende Franken, das muss ja aussehen! Die Kernfrage des Reporters bleibt: «Folgen Sie dem Beispiel von Niederbüren und publizieren Sie die Namen der Täter?»

Nach einem Anruf bei der Kantonspolizei ist die Schadensumme um zwei Stellen reduziert, immerhin. Dafür weiss ich jetzt, dass 19 Haushalte betroffen sind. Ich weiss, dass die Täterschaft (noch) nicht bekannt ist. Ergo gibt es keine Namen zu publizieren. Der Medienchef der Polizei gibt mir den Tipp: Es ist besser, wenn Sie vor der Kamera Stellung nehmen. Gesendet wird eh. Vor der Kamera will der Journalist wissen, ob wir‘s denn täten, die Namen publizieren? Meine Meinung: Das ist nur eine von mehreren Möglichkeiten. Sicher nicht die erste und nicht sicher die beste. Die beste Möglichkeit ist, dass die Täter zu ihrer Tat stehen. Auch noch besser ist, wenn Polizei, Schule, die Gemeinde und die Bevölkerung für enge Maschen sorgen. Das tun sie. Gerade vor 15 Minuten war die Schulleitung der Oberstufe da. Die Schule greift die Thematik auf. Die Bevölkerung ist eingeladen, die Augen offen zu halten und Ungereimtheiten der Polizei zu melden. Immer.

Namen von jugendlichen Tätern publizieren wirkt eher auf die Erziehungsverantwortlichen als auf die Jugendlichen selbst. Wenn die Medien «Mumm» hätten, würden sie Eltern fragen, ob sie ihre Aufsichtspflicht nicht etwas gar vernachlässigt hätten? Statt Bilder von Chaoten zu zeigen, würden sie besser kritische Texte mit Geist schreiben – das ist weniger «sexy» für Täter. Und schon gar nicht sollen die Medien in solchen Themen Gemeindepräsidenten ins Zentrum rücken. Das nützt weder den Geschädigten noch heilt es Täter.

Gschiider schlauer

Hand aufs Herz: Haben Sie etwas anderes erwartet, als dass Gemeindepräsidenten eine heisse Kartoffel hin- und herschieben? Die jüngste Aufführung von Theater Lenggenwil «Das gefrorene Herz» liefert besten Anschauungsunterricht. Die beiden Dorfkönige von Hinter- und Vorderau haben sich doch ganz gut verkauft, oder? (Öffentliche) Aufgaben auf Kosten anderer erfüllen, diese Haltung ist weder neu noch ist sie so schnell aus der Welt geschafft. Es hätte ja klappen können. Und ist das nicht Ihre stille Erwartung, dass Gemeinderäte und -präsidenten die Vorteile für die Gemeinde optimieren?

Das «gefrorene Herz» bringt einfach auf den Punkt, was beim Steuerwettbewerb, bei den Sozialkosten, beim Stadttheater oder im Bildungswesen gang und gäbe ist. Und weil die Hoffnung aufs grosse Geld und die Imprägnierung gegen Ausgaben allgegenwärtig ist, ist es einfach, bei der jüngsten Aufführung nur halbwegs betroffen zu sein. Jeder darf sich als Opfer und Täter fühlen und das in Form von bester Unterhaltung.

Etwas hat mich besonders amüsiert: Die «Leiche des Schirmflickers» legte sich rechtzeitig vor Beginn des zweiten Akts selbst mit einem Büscheli Holz als Kopfkissen wieder an den alten Platz auf die Bühne.

So lange Todgesagte noch so agil sind muss man sich fragen, ob das Spiel noch viel abgekarteter war, als es schien? Wie hiess es doch im Stück: mengmol wär‘s gschiider, mä wär schlauer!

PS: Die einfachste Form der Ironie besteht darin, das Gegenteil von dem zu sagen, was man meint.

Wo ist mein Geld?

Tag der offenen Tür bei einer Bank. Eine Einladung für Bankräuber? Die Raiffeisenbank Niederhelfenschwil macht‘s trotzdem. Schön ist sie geworden, die offene Schalterhalle. Modern, die geschwungene Theke mit integriertem Tresor und harmonisch das Kunstwerk von Ruedi Huber.

Es sei schon gewöhnungsbedürftig, dass man so gut in die Bank hineinsehe. Entscheidender finde ich, dass die Bank jetzt viel besser hinaussieht. Wer seine Kunden richtig beraten will, der muss wissen, wo ihnen der Schuh drückt, was ihr Anliegen ist, wo der Kunde gern Unterstützung hätte. Logisch, dass man seine Kunden sehen muss, möglichst früh.

Am Gemeindehaus müssten wir wohl die Vorhänge runter nehmen. Umbauen werden wir nicht. Dafür haben wir zu wenig «Mäuse».

Haben Sie sich beim Rundgang durch die schönen Büros, durch die Wertzone und vor allem im Tresorraum auch gefragt: «Wo ist mein Geld?» Müssten sich im Keller der Bank nicht die Goldbarren stapeln? Und wo ist das viele Münz von all den Kässeli, die geleert werden?

Nachdem Sie Ihr Geld bei der Raiffeisenbank nicht gefunden haben, ein Tip. Suchen Sie im Garten – dort ist die andere Bank!

Es raucht

Als Privatperson und Nichtraucher fühle ich mich in rauchfreien Restaurants wohler. Nicht nur wegen der Gesundheit, sondern weil’s (mir) spätestens beim Tritt über die Hausschwelle stinkt. Das tut aber nichts zur Sache. Ich wähle selbst, wohin ich gehe und wohin nicht. Und gelegentlich nehme ich kleine Übel in Kauf, nicht nur Rauch. Ob ich mehr in Restaurants sässe, weil alle rauchfrei sind? Ich zweifle.

Als Gemeindepräsident ärgert mich der Kantonsrat: Gelegentlich müssten die Mitglieder des Kantonsrats verpflichtet werden, ihre eigenen Gesetze zu vollziehen. Das wäre heilsam, gerade am Beispiel des Rauchens. Mit wenig Fantasie wäre das politische Hick-hack um den Schutz vor Passivrauchen vorhersehbar gewesen.

Wenn Gemeinden wie Flums oder Sevelen schreiben, dass sie einfach alle Gesuche um Ausnahmebewilligungen blanko oder befristet bewilligen, ist das zwar fantasievoller, aber in zweifacher Hinsicht eine Bankrott-Erklärung: Wozu braucht es eine Gemeinde, wenn sie konfliktbeladene Situationen nicht lösen will? Kann die Gemeinde vom Bürger Gesetzestreue einfordern, wenn sie selbst in die Trickkiste greift?

Nun soll der Vollzugsbeginn, ursprünglich auf den 1. Oktober 2008 geplant, verschoben werden. Die Gründe dafür sind angesichts der Volksinitiative «Schutz vor Passivrauchen für alle» auf Bundesebene zwar einleuchtend. Ersatzlos zu streichen ist das Argument, die Gemeinden wären nicht in der Lage, dieses Gesetz rechtzeitig zu vollziehen.

Der gutschweizerische Kompromiss ist nicht für alle Lebenslagen geeignet und die Einzelfall-Gerechtigkeit stösst an Grenzen. Der Gesetzgeber soll sich für oder gegen den Rauch entscheiden, ohne Ausnahmen. Bis es soweit ist, wird in Niederhelfenschwil jedes Gesuch ernsthaft behandelt. Die Gastwirte haben noch bis Ende Monat Zeit, sich für ein Modell zu entscheiden.

Auf welcher Seite

Was auf den ersten Blick düpiert, ist auf den zweiten amüsant, ja bereichernd. Nehmen Sie das neue Jahr vor allem von einer Seite, der humorvollen. Weshalb? Ein Müsterchen aus dem Jahr 2007:

Die Unterhaltungsabende der Musikgesellschaften sind schön übers Jahr verteilt. Die Programme sind allenorts hörens-, die Moderation sehenswert. Stets strapaziert das folgende Theater Lach- und Gesässmuskeln. Die Musikgesellschaft Niederhelfenschwil hat als einzige ein Einsehen mit ihren Gästen, die nicht schon ab 19 Uhr bei Most und Bratwurst warten wollen. Sie reserviert Plätze. Und das tat ich dann auch rechtzeitig, telefonisch, das Programmheft mit den Sitz-Nummern vor Augen: Plätze 11 und 13, mit dem Rücken zum Fenster, in der Mitte der hinteren Tischreihe der Aula. Beste Voraussetzungen für einen entspannten Abend.

So stand ich mit meiner Frau um 10 vor 8 oben an der fünften Tischreihe und zweifelte an meinem Denkvermögen. Die ungeraden Platz-Nummern auf der rechten Tischseite – die mit dem Rücken zu Wand – waren ausnahmslos besetzt. Nur auf der linken Tischseite gab es noch zwei freie Stühle. Wir hangelten uns durch die Reihen, vorbei an den Nummern 24, 22, 20, 18, 16 hin zu 13 und 11, neben 12. Das heftige Flüstern dreier Damen gesetzteren Alters liess eine Ahnung aufsteigen. Die Eselohren der wieder-aufgeklebten Nummer-Etiketten lieferten die Bestätigung.

Und so verbrachten wir einen angeregten Abend, in dessen Verlauf wir mehr über die Leute auf der Bühne erfuhren, als es die freie Sicht erlaubt hätte. Eine andere als die erwartete Perspektive hält vieles, auch einen Unterhaltungsabend, in besserer Erinnerung. Vor allem können wir immer wieder schmunzeln, eingedenk, dass die Erinnerung farbiger malt.

Ich wünsche Ihnen, dass das Neue Jahr Sie gelegentlich auch überrascht, düpiert, amüsiert. Dass es kleine Episoden stiftet, die Sie schmunzeln lassen, eine Erinnerung wert sind.

Das passende Bild für die letzte Ausgabe des Mitteilungsblatts fehlt mir noch. Der Mammut-Baum an der Dorfkreuzung, sorgfältigst geschmückt mit den Leuchtkerzen, eigentlich das Sujet für eine Weihnachtsfotografie. Denke ich jedenfalls und mache mich am Sonntag abend zu späterer Stunde mit Kamera und Stativ auf. «Dauert nur 15 Minuten», rechtfertige ich meinen Ausflug am 3. Adventssonntag.

Dunkel und ruhig ist’s in Zuckenriet. Das sollte schnell erledigt sein. Hemmungslos kann ich so Standorte ausprobieren, mitten auf der Kreuzung stehen, ohne scheel beäugt oder überfahren zu werden.

Der Baum ist gross, die Optik beschränkt. Da hilft nur noch Abstand nehmen zum Objekt – der ganze Baum soll aufs Bild. Die Bise fährt mir in die Knochen. Das beschleunigt zusätzlich. Stativ schnell ins Blei bringen, ISO 50 ein- und manuell scharfstellen, Blende maximal auf und 0,3 s belichten ? So hätte es funktionieren sollen. Hätte. Bild verwackelt trotz Stativ. Neuer Versuch mit dem Selbstauslöser. Trotz dem Kunstgriff kein besseres Ergebnis. Erst dann fällt mir auf: der Baum weigert sich, still zu stehen. Er schüttelt sein Lichterkleid mit dem Wind hin und her. Fotografieren so unmöglich.

Ein Wink für mich? In aller Eile zur Ruhe kommen. Das musste eigentlich schief gehen. Wenn es nächstes Jahr ein aktuelles Weihnachtsbild im Mitteilungsblatt gibt, können Sie davon ausgehen, dass ich es früher geschossen habe. Sonst bleibt der Platz leer.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie es besser machen, die innere Ruhe fürs Weihnachtsfest eher finden und den Mut haben, dafür eine Lücke offen zu lassen. Fürs Neue Jahr wünsche ich Ihnen und Ihren Lieben Glück und vor allem Gesundheit.

Geklaut

Sie kennen Ihre Zeitdiebe? Die Umstellung auf die Sommerzeit löst eine ganze Stunde in Nichts auf. Wem kann man da die Rechnung schicken? Das ist doch UP, eine unproduktive Stunde, nicht verrechenbar. Weshalb nützt meckern nichts? Weil’s alle im selben Mass betrifft. Und vor allem: Man weiss es ja. Es steht jedes Jahr in der Zeitung.

Das gilt nicht für alle meine anderen Zeitdiebe, es gibt schleichende, verborgene, fiese. Ich hab mir schon gedacht, eine Kamera in meinem Büro zu installieren, einen ganzen Tag zu filmen. Meine Zeitdiebe endlich aufdecken, entlarven.

Und jetzt bin ich «gottefroh», dass ich das vorderhand nicht machen muss. Karl Hinder, der Präsident der katholischen Kirchgemeinde Lenggenwil hat mich gerettet. Wie er an der Bürgerversammlung schilderte, müssen die Kirchturm-Uhren umgerüstet werden. Sie werden ab am 1. Januar 2012 nicht mehr von der Atom-Uhr in Neuchâtel gesteuert, sondern von Frankfurt aus. Bald stehlen uns also die Deutschen die Zeit von unseren Kirchtürmen, etwa 1 Sekunde in 20 Millionen Jahren. Bei so viel Verschwendung kann ich mir auch den Luxus leisten, zum Aktenschrank zu laufen und nicht mehr zu wissen, was ich eigentlich wollte.

Eingebrochen

Wer zum Gemeindepräsident will, der hat’s schwer. Die berühmt-berüchtige Beamten-Klingel fehlt an der Tür – Sie wissen, die mit der Ampel-Funktion. Auch das Telefon klingelt sich oft zur Kanzlei weiter. Es muss ein Notstand dieser Art gewesen sein, die puure Verzweiflung. Anders kann ich mir nicht erklären, dass jemand morgens um 4 Uhr mit dem grossen Schraubenzieher mein Büro-Fenster aufhebeln und testen will, ob die Alarmanlage wirklich eine ist.

Gäbe es diese Erklärung nicht, so müsste ich fragen: Wer ist so blöd, in ein Gemeindehaus einzubrechen? Früher gab’s da wenigstens noch leere Identitätskarten zu klauen. Oder ein vorunterschriebenes Leumundszeugnis. Heute hat’s nicht mal mehr soviel Geld in der Kasse, dass man damit das Strafverfahren bezahlen könnte.

Ob etwas gefehlt habe, wollte Beata Heil am Abend im Restaurant Eintracht wissen. Nein, alles da, war ich überzeugt. Sie lachte mich aus: «Hast Du nicht mal bemerkt, dass sie Dir den Liegestuhl geklaut haben?» Ok, ein Tor für die Nicht-Beamten.

PS: Wenn Sie sich, lieber Einbrecher, Sorgen machen, dass ich zu lange an solchen Texten herumwerkle: Ich brauche dafür etwa so lang wie die Polizei vom Werkhof zum Gemeindehaus.