Zitat

„Damals, am Anlass X vor fünf Jahren haben Sie Y gesagt!“ Ups, innerlich zucken die Schultern. Keine Ahnung. 

Sie kennen das Gefühl, wenn man selbst nach Jahren wortgetreu zitiert wird. Selbst muss man im Gedächtnis kramen. Manchmal kann man noch Erinnerungsfetzen zusammenbüezen, oft nicht einmal das.

Wortgetreu zitiert werden beeindruckt, kann deshalb etwas stressen, ist aber kein Problem. Auch wenn man seine Aussagen nicht mehr wörtlich wiedergeben kann, kennt man seine innere Haltung zu gewissen Themen und kann damit auch die Plausibilität eines fremden Zitats abschätzen.

Zitiert werden ist unter einem anderen Gesichtspunkt wertvoll. Es gibt einem Hinweise, ob man seine Meinung geändert hat. Oder ändern müsste.

Zitieren Sie?

Dank

«Bisch im Stress?» fragt mich Renata O., unsere Mitarbeiterin, derweil ich mit beiden Händen die Tischplatte kräftig umfasse und der Kaffeemaschine Beine machen will. Ganz verbergen lässt sich die Anspannung offenbar nicht. Dass uns Corona früher oder später auch noch beschäftigen wird, war anzunehmen. Bei aller sachlichen und emotionalen Vorbereitung ists dann doch schwierig, wenns soweit ist.

Die Teams im Seniorenzentrum sind aktuell besonders gefordert und machen, wie von verschiedene Seite, auch vom Kantonsarztamt bestätigt wird, einen guten Job. Mehr noch, sie engagieren sich mit Herz für «ihre» Bewohnenden. Und da ist es schwierig, wenn man nicht so kann, wie man gern würde. Als Präsident der Heimkommission hat man naturgemäss Distanz. Um so dankbarer bin ich, dass das Räderwerk gut funktioniert. Alle tun, was ihnen möglich ist.

In solch ausserordentlichen Situationen ist nicht alles möglich, gibt es unschöne Einschränkungen, aus dem persönlichen Blick auch Unverständliches. Es gibt Zwänge und oft nur die Wahl des kleineren Übels.

Ich danke allen, die so engagiert arbeiten. Und allen, die arbeiten lassen.

Hinten

Ich lese im Entwurf eines Berichts, kommentiere ihn beim Lesen elektronisch und stelle fest: das wäre auch noch zu sagen. Und jenes fehlt noch, gopf. Dieser Gedanke müsste doch am Anfang stehen.

Um dann festzustellen, dass fast alles noch kommt, einfach weiter hinten. Es kann eben nicht alles vorne stehen.

Derzeit hat der Kanton einen über 80-seitigen Bericht zum Thema ‚Frühe Förderung‘ – als vor dem Kindergarten – in Vernehmlassung gegeben. Schon im Bericht spürt man die ächzende Last, dass der Verfasser eben viel zu wenig Zeit gehabt habe, um das alles richtig aufzuarbeiten, wo es so wichtig wäre. Und den Gemeinden schwant schon, dass als Ausfluss dieses Berichts ein gerüttelt Mass an neuen Aufgaben kommen könnte. Schliesslich sollen unsere Kinder qualitativ hochstehend früh gefördert werden.

Das Muster ‚alles muss nach vorne‘ erkenne ich leider bei mir, aber auch im Thema ‚Frühe Förderung‘. Allerdings: Noch jüngere Kinder als die 0 bis 4 jährigen haben wir dann nicht mehr. Dann gibts nur noch Mozart für den Mutterbauch. Oder Genmanipulation.

Wir sollten dem Platz hinten mehr Bedeutung geben.

Warnung

5:51 Uhr, eine Warnung per WhatsApp: „Vor dem Rosenberg-Tunnel steht ein Blitzkasten!“ Aus dem Familien-, Freundes- und Arbeitskreis gibt es gelegentlich solche Warnhinweise. Nett gemeint, schliesslich ärgern Bussen.

Nicht nur das Umfeld warnt, auch die Polizei tuts. Sie publiziert aktuell, wo die semistationären Blitzkästen stehen.

Später am Tag fährt man gedankenverloren auf besagter Autobahn und zack, ein Blitzlicht und der ebenso schnelle Blick auf den Tacho: 88 km/h – kostet wohl 40 CHF. Fast gleichzeitig: „Gopf, das hätte ich wissen müssen!“

Früher konnte man sich hemmungslos über die Polizei ärgern, auf staatliches Raubrittertum schimpfen und mit dem Glauben hingeben, dass die Polizei überhöhte Budgetvorgaben zu erfüllen habe.

Das geht nicht mehr. Warnungen nehmen einem die Möglichkeit, auf Dritte hässig zu sein. Man muss sich selbst an der Nase nehmen.

Sie seien vor der Wirkung von Warnungen gewarnt.

Tor

Erasmus von Rotterdam schrieb ein lesenswertes Büchlein ‚Lob der Torheit‘. Als Geistlicher des Mittelalters hatte er die Inquisition zu fürchten. Seine gesellschaftskritischen Bemerkungen legte er deshalb einem Tor in den Mund, wendete also ein Prinzip an, das auch Hofnarren gern nutzten.

Angenommen, jemand wäre Verschwörungstheorien zugeneigt. Solche sind ja modern, aber nicht neu. Dann könnte er oder sie bei Erasmus von Rotterdam abschauen. Mit dem Vorteil, dass der Humor nicht verloren ginge.

Marke

Vorab: herzlichen Dank, geschätzte Stimmbürgerinnen und Stimmbürger, fürs Vertrauen. Wahlen sind immer ein Moment mit Anspannung und grossen Unbekannten.

Man kanns es nicht Allen recht machen. Zusammen mit dem Gemeinderat versuche ich, es für viele Menschen möglichst gut zu machen.

Damit das gelingen kann, brauchts Leute in der Verwaltung, in der Infrastruktur, drinnen, draussen. Auch ihnen gehört mein Dank. Ohne die fähige Menschen im Hintergrund kann man nicht vorne stehen und Ziele verfolgen. Man kann auch nicht gleichzeitig ernsthaft mit allzuvielen Menschen kommunizieren. Auch drum brauchts viele tragfähige Schultern.

„Marke ist, was man hinter Ihrem Rücken über Sie erzählt!“ Ich freue mich, wenn Sie mir etwas davon erzählen. Auf dass wir die ‚Marke Uzwil‘ auch in den nächsten 4 Jahren weiter voran bringen.

Schliff

Man bringt etwas in eine grobe Struktur, sägt aus, schneidet weg, sondert aus. Und dann beginnt die Feinarbeit, das Schleifen an den Details. Sei es mit dem Schleifklotz, der Feile oder am geistigen Konzept.


Man arbeitet frohgemut und dann hat man doch irgendwo eine Delle reingemacht, sich verschliffen, zuviel weggenommen. Ausbügeln ist angesagt, glätten, ausgleichen. Das ist gar nicht so einfach, braucht Erfahrung und Geschick. Sonst wird die Delle nur tiefer, je mehr man sich bemüht. Selbst wenn man wüsste, wie es ginge, bleibts schwierig, zB. den Fokus aufs grosse Ganze richten, sich anders hinstellen, schräg zur Fläche arbeiten, neue Wege gehen. Der Kopf genügt nicht, es braucht Übung, Anwendung.


Zum Schleifen gehört auch wissen, wanns nicht mehr besser werden kann und wann man Hilfe braucht. Der letzte Schliff in der laufenden Amtsdauer steht an.

Erstmals

„Was haben Sie heute zum ersten Mal gemacht?“ Gar nicht so einfach, diese Frage. War da etwas? Zufällig oder geplant? Heute fiel mir die Antwort leicht. Die heutige Form der Holzbearbeitung habe ich noch nie gemacht und prompt war der Daumen blutig.

Den Gedanken, sich immer wieder an etwas Neuem zu versuchen, finde ich reizvoll. Tun, nicht nur zuschauen, zB. im TV oder auf Youtube-Videos. Dafür muss man sich meist irgendwo hin begeben, ein neues Werkzeug, ein Utensil in die Hand nehmen. Und vor allem muss man den Mut haben, sich zu blamieren, schlecht anzustellen, Fehler zu machen. Halb so schlimm – das ärgert nur Menschen, die es zu gut machen wollen.

Der beste Grund, etwas zum ersten Mal zu machen, ist nicht Neugier befriedigen, sondern der Gewinn an Respekt. Der Respekt für all jene, die es schon können. Respekt haben ist gesellschaftlich relevant, Übung drum wichtig.

Heute ziehe ich den Hut vor L.B., dem excellenten Instrumentenbauer. Morgen Abend möchte ich ein Sgraffito herstellen. Was machen Sie zum ersten Mal?

4

Gar nicht so einfach, dem Menschen sein Frühstücks-Ei zu kochen. Er oder sie bestellt ein 3-Minuten-Ei und weiss: eigentlich gehts etwas mehr als vier Minuten, bis nur noch das Eigelb flüssig ist.


Die Fakten wären einfach. Wasser kocht auf Meereshöhe bei 100 Grad Celsius. Alle etwa 300 Höhenmeter sinkt der Siedepunkt um 1 Grad. In Uzwil kocht Wasser also bei etwa 98 Grad. Das Eigelb gerinnt bei 62 Grad, das Eiweiss bei 84,5. Jetzt kommts noch auf das Gewicht und Durchmesser an und ob das Ei aus dem Kühlschrank kommt – rechne.


Dass man ‚3‘ sagt und ‚4‘ meint, das stimmt mich zuversichtlich. Die künstliche Intelligenz dürfte es mit den Menschen noch eine Weile schwer haben.


PS: Wie köpfen Sie Ihr Ei? Das sage etwas über den Charakter …

Wieder

Was ist klüger: an gefällten Entscheiden festhalten oder Entscheidungen revidieren? „Das kommt drauf an“, würde wohl der Bürger, die Bürgerin sagen.

In der Politik, auch auf Gemeindeebene, wird gern beides festgestellt. Stures Festhalten wie auch Wankelmütigkeit. Beide Verhalten führen früher oder später zu Stillstand.

Der Uzwiler Gemeinderat tritt deshalb auf ein Geschäft, das er schon behandelt hat, nur wieder ein, wenn sich an den Fakten etwas Wesentliches geändert hat. Das ist in gewissem Sinn stur, sorgt dafür für Kontinuität und entlastet den Verwaltungsapparat. Wozu erneut diskutieren, wenn das Ergebnis absehbar ist?

Mangels neuer Fakten endet hier dieser Text.