Zeiträume

Was ist strategisch, was ist operativ? Diese Diskussion endet schnell in einem Streit um den Status: Wer will schon ‚nur‘ operativ tätig sein? Und das ist auch niemand. Auch unsere Lernenden haben ihre Strategien, verfolgen eigene Ziele.

Besser als über strategisch und operativ zu debattieren finde ich, nach Zeiträumen zu unterscheiden.

Person 1 soll den heutigen Tag und die kommende Woche im Griff haben – das ist sehr wichtig. Klappt das nicht, kann Person 2 ihre Aufgabe nicht wahrnehmen. Sie soll den kommenden Monat und das laufende Jahr überblicken. Auf dass Person 3 sich darauf konzentrieren kann, in Jahren und Jahrzehnten zu denken.

Zu all diesen Zeiträume gehören wiederkehrende und einmalige Aufgaben, die alle erledigt sein wollen.

Wozu in Zeiträumen denken? Um Debatten mit mehr Respekt zu führen. Keine Zeit ist wichtiger als die andere.

Postfach

Die Post verlegt die Postfächer und verändert deren Bedienung. Neu sollen die Postfächer nicht mehr in aller Herrgottsfrühe, sondern erst um 9 Uhr bedient sein. So weit, so schlecht.

Die physischen Postfächer sind ein auslaufendes Geschäftsmodell. Die digitalen Postfächer hingegen überquellen. Spielt das eine Rolle?

Nein. Die Menge an Informationen, die ein Mensch verarbeiten kann, hat wenig mit dem Kanal zu tun, auf dem sie eintreffen. Ein Mensch kann sich zwischen 4 und 6 Stunden je Tag konzentrieren – so die moderne Arbeitsforschung. Und schnell Antwort geben, war immer möglich. Ein Gemeinderatsschreiber alter Schule schrieb schon von 25 Jahren Mails. Er spannte den Brief des Absenders in seine Schreibmaschine, schrieb unten drauf „Bin einverstanden, Gruss Albert“ und zurück die Post.

Was tun wir in der übrigen Zeit? Kommt drauf an, wer fragt. Ob digital oder physisch, richtig belastend ist, wenn das Postfach länger leer bleibt. Dazu ein Zitat aus ‚Globi bi dä Post‘: „Wotsch en Brief, denn schrieb en Brief!“

Älter

Die eigene Geschichte kennen – das ist ein wichtiges Fundament jedes Menschen. Viele Kinder entwickeln ein reges Interesse an Drachen und Dinosauriern. Ob das der Grund ist, dass der Geschichtsunterricht in der Vorzeit mit den Pfahlbauern und den Ägyptern beginnt und in den 9 obligatorischen Schuljahren kaum über das Mittelalter hinaus kommt? Vorteilhaft ist, dass die Vorzeit nicht alle zehn Jahre neu beschrieben werden muss. Sie ist konstant. Die Sicht auf sie ändert selten.

Ob man die Geschichte von heute an rückwärts erzählen könnte? Spannender wärs als die Schlacht am Morgarten. Geschichte würde mit Donald Trump, der chinesischen Weltpolitik und den Kilmazielen starten.

Schwierigkeit: mit wachsender Distanz ändert sich die Sicht. Das gilt auch für eine Gemeinde und letztlich wohl auch alle Menschen – ob man nun vorne oder hinten beginnt oder nur älter wird.

Lot

Vor 9 Jahren gab der Kanton die erste Studie in Auftrag, wie die Abwasserreinigung regional besser organisiert werden könnte. Seither ist viel Wasser die Thur runter. Die Aufgabe ist dieselbe geblieben. Auch wenn vieles schnell ändert, es gibt auch Dinge, die Zeit brauchen.

Die Planung eines regionalen Grossprojekts ist aufwändig und braucht Fachwissen in vielen Disziplinen. Immer wieder taucht die Frage auf: Hätte man nicht zuerst die Bürgerschaft fragen müssen, ob sie einen regionalen Zusammenschluss überhaupt will?

So sicher wie das Amen in der Kirche kommt dann die Forderung: „Ohne belastbare Grundlagen kann man über eine solche Frage nicht abstimmen, mindestens Varianten müssten verglichen und Aussagen zu Kosten möglich sein, schliesslich sind da 11 Gemeinden betroffen.“

Lösung? Sich an die Kompetenzordnung halten. Dass sie im Lot ist, erkennt man daran, dass sie für alle gleichermassen unbequem ist.

Kreuz

Es liegt in der Natur der Sache, dass man sich an einer Kreuzung kreuzt, also in die Quere kommt. Weil man selten allein unterwegs ist und weil sich jemand in eine andere Richtung bewegt.

Wie schlimm ist das? Es kommt auf die Konsequenzen an. Viel hat mit Timing zu tun und der Frage, ob man sich kreuzen will.

An der Augartenkreuzung kann man diese philosophischen Fragen ganz real diskutieren. Zudem garantieren Kreuzungsfragen viel politische Aufmerksamkeit.

Das Kreuz durch einen Kreis zu ersetzen ist beim Uzwiler Gemeinderat ‚unten durch‘.

Gleich

Werkzeuge und Hilfsmittel prägen unser Handeln und Denken. Das birgt Risiken. Alle brauchen die gleiche Software, die Betriebssysteme ähneln sich im Erscheinungsbild. Jedes Handy sieht fast gleich aus. Das wirkt sich, mit etwas Distanz betrachtet, auf den Inhalt dessen aus, was wir damit produzieren. Alle schiessen fast die selben Handy-Fotos, Emojis sind ebenso uniform.

Wiederholung und nochmalige Nutzung des bereits Erarbeiteten macht zweifellos effizient, copy and paste. Standards erleichtern die Kommunikation und die Zusammenarbeit. Man gewinnt also Zeit.

Wofür wird die gewonnene Zeit eingesetzt? Ich hoffe, Sie beobachten auch eine Verbesserung der Gedanken und Ideen, bei sich und bei Annderen? Auf dass wir die zunehmende Standardisierung für mehr Individualität nutzen.

Vorteil

Wie definiert sich ein Vorteil? Nach Duden ist ein Vorteil etwas, das gegenüber jemand Anderem günstig und nutzbringend erscheint.

Wir investieren seit den 70-er Jahren in saubere Bäche und Flüsse. Wo ist heute noch der Vorteil? Wasser fliesst abwärts. Was wir tun, nützt nur den Unteren.

C. O. meinte treffend in einem Gespräch: „Man muss die Vorteile kennen, um sie zu bewahren!“ Das trifft aus unternehmerischer und aus gesellschaftlicher Sicht zu.

Vorteile, die vielen nützen, sind gesellschaftliche Errungenschaften. Sie sind uns in vielen Dingen selbstverständlich, wie der Gewässerschutz. Eine Leistung besteht darin, solche Errungenschaften zu erhalten und in die Zukunft zu führen.

Weshalb der Fortschritt eine Herausforderung bleibt? Auch die Nachteile entwickeln sich weiter.

Winkel

Tote Winkel gibt es im Strassenverkehr, im Militär, bei Videoüberwachungen, im Klassenzimmer. Sie sind eine ständige, mithin tödliche Gefahr. Mit allerlei technischen Hilfsmitteln wird dem toten Winkel zu Leibe gerückt, vorzugsweise mit Spiegeln und intelligenten Kamerasystemen.

So ist es auch im öffentlichen und gesellschaftlichen Leben. Nicht jeder Winkel ist einsehbar, nicht jede Bewegung ersichtlich, bei bestem Bemühen.

Dem Thema toter Winkel kann ich nichts mehr beifügen, es liegt ausserhalb meines Blickwinkels. Drum endet hier dieser Text.

Nur noch das: Achten Sie auf tote Winkel, vor allem als LKW-, Auto- und Velofahrer – der Frühling kommt.

Schwarz

Worte wie nie, immer, alle, keiner, jede gehören für mich in die Kategorie ‚schwarze Rhetorik‘! Weil es einfach schwierig ist, darauf eine passende Antwort zu geben, ohne etwas oder jemanden in Frage zu stellen, die Person quasi frontal anzugreifen. Kann man denn sagen, dass jemand nie lache, immer zu schnell fahre, alle Dinge für sich behalte, keiner Fliege etwas zu leide tue, jeden Mist mitmache?

Spätestens seit Georg Cantor vor 130 Jahren die Mengenlehre, notabene ein schreckliches Thema in der Oberstufe wie ich fand, entwickelt hat, kann man sich unendlich lang mit der Unendlichkeit beschäftigen. Und damit wohl auch mit der Frage, ob abgeschlossene Begriffe wie die genannten überhaupt zulässig sind.

Hp H. formulierte es so: „Immer, wenn ich ‚immer‘ sage, schimpfsch immer!“

Was soll man da sagen? „Nichts!“

PS: Vielleicht helfen Ihnen diese Gedanken, da Sie doch immer alles korrekt machen.

Erledigt

Die Meinungen füllen 60 Seiten in dichter Tabellenform: so viele Eingaben gab es zum Agglomerationsprogramm der Region Wil. Folge ist ein Berg von Arbeit. Antworten entwerfen, diese diskutieren, korrigieren, anpassen, abschliessen und zustellen. Uff.

Das neue alte Modewort heisst ‚Mitwirkung‘. Je früher man alle Sichtweisen auf ein Thema kennt, um so besser. Gilt für die Politik ebenso wie für die private Ferienplanung.

Der gute Gedanke wird – wie viele – juristisch immer mehr auf die Spitze getrieben. Und verliert damit Wirkung. Eine Behörde muss Mitwirkungsverfahren durchführen, weil vorgeschrieben. Ob die Beiträge brauchbar sind, ist juristisch betrachtet egal.

Aber mir ist es nicht egal. Ich möchte ein gutes Ergebnis. Statt Standpunkte fleissig zu zementieren und ebenso fleissig drauf Antwort zu geben, hätte ich gern bessere Lösungen. Drum ein Vorschlag an den Gesetzgeber: Mitwirkung durch Mitarbeit ersetzen – und vieles wäre schnell erledigt.